Heilsamer Trunk
Frühe Biertrinker entdeckten Antibiotikum

Das Bier der alten Nubier hatte es in sich. US-Wissenschaftler haben jetzt nachgewiesen, dass der Trank ein Antibiotikum enthielt – rund 1 500 Jahre vor der Entdeckung des Penicillins.
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HEIDELBERG. Eine Analyse der Knochen alter Nubier zeigt: Über Bier nahm das afrikanische Volk regelmäßig ein Antibiotikum zu sich – der bisher älteste Nachweis einer derartigen Medizin. Das Geheimnis des heilsamen Stöffchens liegt im Getreide, das die Nubier verwendeten: Es enthielt das Bakterium Streptomyces, das wiederum Tetracyclin, ein Antibiotikum, produziert. Aus dem Getreide braute das Volk, das im Gebiet des heutigen Sudans lebte, äußerst gesundes Bier.

„Ich habe überhaupt keine Zweifel, dass sie genau wussten, was sie taten“, so der der Anthropologe George Armelagos von der Emory University in Atlanta. Gemeinsam mit dem Chemiker Mark Nelson von Paratek Pharmaceuticals Inc. untersuchte er die Knochen der Nubier, die zwischen 350 und 550 Jahren nach Christus lebten – rund 1500 Jahre vor der Entdeckung des Penicillins im Jahr 1928.

Der Anthropologe Armelagos fand bereits 1980 Tetracyclin in den Knochen des alten Volks. Unbeantwortet blieb damals allerdings die Frage, ob es sich um Zufall oder bewussten Konsum handelte. Nelson interessierte sich für dieses Projekt und untersuchte jetzt die Skelette „in einem unangenehmen und gefährlichen Prozess“ noch einmal: Er benutzte Hydrogenfluorid, eine der stärksten verfügbaren Säuren, und kam zu dem Ergebnis, dass die Skelette von Tetracyclin vollkommen durchdrungen sind.

Die Nubier hatten folglich das Bier mit den Antibiotika über einen langen Zeitraum hinweg in größeren Mengen konsumiert – wohl weil sie wussten, welchen Effekt es hatte. Auch im Schienbein und im Schädel eines Vierjährigen wurden die Forscher fündig: Sie gehen davon aus, dass die Eltern den Kindern eine besonders hohe Dosis verabreichten, um sie von Krankheiten zu heilen.

Tetracycline wurden erst 1948 als Antibiotika-Familie entdeckt und bekamen den Namen Aureomycin, das sich vom lateinische Wort für Gold ableitet. Streptomyces produzieren golden schimmernde Bakterienkolonien, „und wenn diese im Bier schwammen, musste das die Menschen, die ja Gold sehr verehrten, beeindruckt haben“, vermutet Nelson.

Armelagos, der vor 30 Jahren zum ersten Mal die Knochen der Nubier untersuchte, zeigt sich begeistert: „Für uns ergeben sich jetzt völlig neue Forschungsmöglichkeiten. Wir werden die Tetracyclin-Menge mit Knochenverformungen vergleichen, um die genaue Dosis, die die Nubier zu sich genommen haben, messen zu können.“

Das Bierbrauen an sich war im Altertum übrigens keine Seltenheit: Auch in Ägypten und in Jordanien beherrschten die Menschen damals die Kunst des Brauens und behandelten mit Bier zum Beispiel Zahnfleischerkrankungen.

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