Herzrhythmusstörungen
Hoffnung für neue Herztherapie

Neue Hoffnung für Herzinfarktpatienten: Bonner Wissenschaftlern ist es im Tierversuch gelungen, Herzrhythmusstörungen und damit die häufigste Todesursache nach einem Infarkt durch das Einpflanzen von speziellen Muskelzellen drastisch zu verringern. Die Erkenntnisse werden heute in der Zeitschrift „Nature“ veröffentlicht.

HB FRANKFURT/BONN. Die Forscher der internationalen und interdisziplinären Studie der Universitäten Bonn, Cornell und Pittsburgh waren bei ihren Versuchen mit Mäusen sowohl mit embryonalen Herzzellen als auch – für den Menschen wesentlich interessanter – mit genetisch veränderten Stammzellen des jeweiligen Tieres erfolgreich. „Diese Entdeckung öffnet möglicherweise die Tür zu einem völlig neuen Therapieansatz“, teilte die Universität Bonn mit. So könnten Stammzellen aus dem Beinmuskel eines Infarktpatienten entnommen, genetisch verändert und dann in das geschädigte Herz eingepflanzt werden. Die eigenen Zellen hätten zudem den Vorteil, dass es keine Abstoßungsreaktion gebe.

Den Wissenschaftlern gelang es, Skelettmuskelzellen genetisch so zu verändern, dass sie das Zelleiweiß Connexin 43 herstellen können. Dieser Stoff, über den Herzmuskelzellen von Natur aus verfügen, gibt als „Kommunikationskanal“ eine Art „Schlagsignal“ an die benachbarten Zellen und ermöglicht so das koordinierte Zusammenziehen des Herzmuskels und damit genau das, was nach einem Herzinfarkt häufig nicht mehr richtig funktioniert. Denn bei einem Herzinfarkt werden die Herzkranzgefäße durch ein Blutgerinnsel verstopft, und infolge der verminderten Blut- und damit Sauerstoffversorgung wird Herzmuskelgewebe irreparabel geschädigt. Gefürchtete Folge sind Herzrhythmusstörungen, die wiederum zum Kammerflimmern führen können, bei denen sich der Herzmuskel unkoordiniert und extrem schnell zusammenzieht. Dieser Zustand ist lebensgefährlich, weil das Blut nicht mehr effektiv durch den Kreislauf gepumpt wird.

Die Implantation von Skelettmuskelzellen – allerdings ohne genetische Veränderung - wird auch jetzt schon bei Menschen nach einem Herzinfarkt praktiziert, wie Fleischmann erklärte. Das wird sich nun möglicherweise ändern: Die Versuche der Bonner und US-Forscher an Mäusen haben die schon länger bestehende Befürchtung bestätigt, dass damit Rhythmusstörungen sogar gefördert werden können.

Ob die von den Forschern entwickelte Technik auch beim Menschen eingesetzt werden kann, müssen erst noch Studien an „Großtieren“ wie Schwein oder Schaf zeigen, wie der Bonner Professor Bernd Fleischmann gestern einräumte. Für die Forschung seien die Erkenntnisse jedenfalls aufregend.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%