Hilfe bei schwerem Übergewicht
Operation hilft beim Abnehmen

Belgische Mediziner verkleinern bei extrem übergewichtigen Patienten den Magen endoskopisch durch die Mundhöhle. Die Bauchdecke muss nicht mehr geöffnet werden, der Patient kann bereits am nächsten Tag die Klinik verlassen. Lebensqualität und Gesundheit steigen rapide.

BERLIN. Die Mediziner führen bei dem neuen Verfahren die Endoskopiewerkzeuge, mit denen sie die hintere und vordere Magenwand über eine Länge von etwa sieben Zentimetern zu einer röhrenähnlichen Struktur klammern, durch die Mundhöhle. Durch den so genannten transoralen Eingriff werden die bei extrem übergewichtigen Menschen häufig auftretenden Komplikationen durch Schnitte in die Bauchdecke vermieden. Weiterer Vorteil: Der Patient kann bereits am Tag nach der Behandlung nach Hause.

Die Ärzte in der gastroenterologischen Klinik des Erasmus Hospitals der Freien Universität Brüssel haben bereits 20 Patienten mit dieser neuen endoskopischen Methode erfolgreich behandelt. Bis das Verfahren allerdings überall eingesetzt werden kann, wird es noch dauern. Es muss sich vorher noch in einer so genannten Multicenterstudie bewähren, die jetzt in USA und Europa beginnt.

Magenverkleinerungen werden zwar schon heute auch minimalinvasiv mit Endoskopiewerkzeugen durchgeführt. Die Chirurgen gehen dabei aber durch die Bauchdecke. Mithilfe der Schlüsselloch-Chirurgie wird bei der so genannten Magenband-Operation unterhalb des Mageneingangs wird ein Silikonschlauch um den Magen gelegt und festgenäht, der den Magen in einen kleinen, etwa 15 bis 30 ml fassenden, und einen großen Magenabschnitt teilt.

Der Silikonschlauch kann über ein Reservoir gefüllt und entleert werden, wodurch der Durchgang vom kleinen in den großen Magen weiter oder enger gestellt wird. Das Reservoir wird vorne seitlich am Brustkorb unter die Haut eingepflanzt. Der Durchlass kann dann von einem Arzt unter Röntgendurchleuchtung individuell eingestellt werden. Durch den Eingriff verlieren extrem Übergewichtige bis zu 75 Prozent ihres Übergewichts, wie eine Studie der internationalen Organisation für evidenzbasierte Medizin Cochrane Collaboration bestätigt.

Für Professor Stephan Herpertz von der Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum, ist die chirurgisch unterstützte Gewichtsabnahme bei sehr adipösen Menschen eine sinnvolle Methode. „Mich wundert immer wieder, wie selten Ärzte krankhaft fettleibigen Patienten zu einer Operation raten“, sagt der Psychosomatiker. „Essen Sie halt weniger“, bekommen viele Betroffene zu hören. Die Adipositas-Chirurgie sei eine Verhaltenschirurgie, sagt Herpertz. Der Patient muss seine bisherige Ernährungsweise ändern, da er sonst unmittelbar mit den Folgen seiner falschen Ernährung konfrontiert wird. So führt unzureichendes Kauen bei der Magenbandoperation zu Schmerzen – manchmal muss sich der Patient auch übergeben. „Aufgrund der prompten Folgen ist der Lerneffekt in der Regel groß“, sagt der Experte.

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