Himmelsscheibe hatte mindestens zwei Erbauer

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Himmelsscheibe hatte mindestens zwei Erbauer

Die 3 600 Jahre alte „Himmelsscheibe von Nebra“ ist aus Expertensicht in der Bronzezeit von mindestens zwei Erbauern gefertigt worden. „Das bestätigen vorliegende Materialuntersuchungen an der Scheibe“, sagte Landesarchäologe Harald Meller in einem dpa-Gespräch vor einem Symposium in Halle.

dpa HALLE. Die 3 600 Jahre alte „Himmelsscheibe von Nebra“ ist aus Expertensicht in der Bronzezeit von mindestens zwei Erbauern gefertigt worden. „Das bestätigen vorliegende Materialuntersuchungen an der Scheibe“, sagte Landesarchäologe Harald Meller in einem dpa-Gespräch vor einem Symposium in Halle.

„Wir gehen von drei Handwerkern aus, konkret nachweisbar sind aber zwei Handwerker.“ Die Himmelsscheibe gilt als archäologischer Sensationsfund und als älteste konkrete Sternenabbildung der Welt.

Laut Meller machten beide Erbauer die gleichen handwerklichen Fehler beim Einsetzen ihres jeweils ersten Sternes. „Wir können davon ausgehen, dass sich diese beiden Handwerker nicht gekannt haben und zwischen den Bearbeitungsstufen ein längerer Zeitraum lag.“ Er will diese Ergebnisse und Details seiner Forschungsarbeit auf dem Kongress erstmals ausführlich vorstellen.

Insgesamt werden zu dem am Mittwochabend beginnenden Symposium „Der Griff nach den Sternen“ in Halle rund 400 Fachleute aus ganz Europa erwartet. „Für die europäischen Archäologen steht die Echtheit der Scheibe auf Grund der Vielzahl von Untersuchungen zweifelsfrei fest. Es geht jetzt um eine umfassende Bewertung des Fundes“, sagte Meller.

Um die Echtheit der Scheibe gibt es allerdings seit Wochen schon Streit, der mittlerweile sogar bis vor das Landgericht Halle vorgedrungen ist. Eigentlich wird dort der Berufungsprozess um den illegalen Verkauf der Himmelsscheibe verhandelt, doch am 21. Februar kommt es zu einem Kreuzverhör zwischen Befürwortern und Gegnern der Echtheits-These.

Die Teilnehmer des Symposiums wollen bis Sonntag neue Forschungsergebnisse zur Himmelsscheibe diskutieren. Dabei geht es besonders um die kulturelle, astronomische und religiöse Bedeutung des prähistorischen Fundes.

Die rund zwei Kilogramm schwere Bronzescheibe mit Goldauflagen ist fast kreisrund mit einem Durchmesser von 31 bis 32 Zentimetern. Eindeutig sind ein Schiff, Sonne, Mond, Sterne und als Ansammlung von sieben Goldpunkten der Sternenhaufen der Plejaden zu erkennen. Dazu sind am Rand der Scheibe zwei Bögen, so genannte Horizontbögen, zu sehen.

Zwei bereits verurteilte Raubgräber hatten die Scheibe zusammen mit einem Bronzeschatz 1999 entdeckt. Nach einer krimireifen Odyssee der Stücke konnte die Polizei im Februar 2002 bei einer fingierten Verkaufsaktion im Basler Hilton Hotel den Schatz sichern.

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