Hirnforschung
Wie Computer das Hirn verändern

Computernutzung fördert die visuelle Intelligenz. Neben positiven Einflüssen offenbaren die Ergebnisse aktueller Untersuchungen aber auch die Schattenseiten der schönen neuen Bildschirmwelt: Viele geistige Fähigkeiten bleiben auf der Strecke.
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DÜSSELDORF. Ein ganz normaler Tag im Büro: 40 Internetseiten besucht, 50 Mal das E-Mail-Postfach geöffnet und dazwischen auch noch Zeit gefunden, fast 80 Mal zum Fenster für Instantmessages zu wechseln. So sieht im Durchschnitt der Arbeitsalltag der 40 000 amerikanischen Angestellten aus, den die Beratungsfirma RescueTime beobachtet hat.

Interaktive Medien wie Internet und Computerspiele ermöglichen, wie neue Studien zeigen, nicht nur den schnellen Umgang mit Informationen und Reizen, sie fördern ihn auch. Dabei formen sie die Fähigkeiten des Menschen weit vielfältiger als bisher angenommen - lassen manche verkümmern und andere aufblühen.

Ein aufschlussreiches Beispiel ist die bei vielen Arbeitgebern gerne gesehene oder sogar vorausgesetzte Fähigkeit zum "Multitasking". Ganz wie ihre Rechner sollen auch die sie bedienenden Menschen verschiedene Prozesse mehr oder weniger gleichzeitig ausführen. Der Computerwissenschaftler Paul Kearney von der School of Computing and Information Technology in Auckland konnte in einer Studie zeigen, dass bestimmte Computerspiele diese Fähigkeit fördern. Er ließ Testpersonen vier Aufgaben parallel in einer computersimulierten Arbeitsumgebung erledigen.

Diejenigen Versuchspersonen, die zuvor zwei Stunden lang das Ego-Shooter-Spiel Counter-Strike gespielt hatten, waren viel multitaskingfähiger als andere, die nicht gespielt hatten. Kearney erklärt das durch den Charakter dieser Spiele, bei denen der Spieler mehrere Aufgaben gleichzeitig meistern müsse. Die Konzentration darauf scheint die Probanden kurzfristig fit für Multitasking gemacht zu haben.

Auch auf die visuelle Aufmerksamkeit haben Computergames offensichtlich einen positiven Einfluss. In Experimenten der Kognitionswissenschaftler Shawn Green und Daphne Bavelier von der University of Rochester in New York konnten die Nutzer von Actionspielen schnell aufeinander folgende und daher schlecht wahrnehmbare Bildreize besser erfassen als Nichtspieler.

Man könnte nun natürlich vermuten, dass diese Fähigkeit die Ursache für das viele Spielen ist und nicht umgekehrt. Dass also nur solche Menschen zu Vielspielern werden, die von Anfang an ein besseres Aufmerksamkeitsvermögen und somit mehr Erfolgserlebnisse vor dem Computer haben und daher lieber spielen. Aber: Auch Probanden, die sonst nicht spielen, hatten nach mehrtägigem Training am Computer ein erhöhtes Auffassungsvermögen.

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