Forschung + Innovation
Hirnschrittmacher bei Parkinson-Kranken erfolgreich

Die Filmbeispiele aus der jüngsten deutschen Parkinson-Studie wirken auf den ersten Blick fast wie eine Wunderheilung: Bei Patienten mit einem Hirnschrittmacher hört das ständige Zittern der Hände auf.

dpa BERLIN. Die Filmbeispiele aus der jüngsten deutschen Parkinson-Studie wirken auf den ersten Blick fast wie eine Wunderheilung: Bei Patienten mit einem Hirnschrittmacher hört das ständige Zittern der Hände auf.

Arme und Beine, die vorher umherzuckten, lassen sich wieder ganz normal bewegen. Auch Wissenschaftler und Ärzte, die sich bis Donnerstag auf dem 16. Weltparkinsonkongress in Berlin treffen, merkten auf: Das erste Mal ist in einer deutschen Studie nachgewiesen worden, dass Hirnschrittmacher die Lebensqualität von Parkinson-Patienten erheblich verbessern können.

Einen Durchbruch in der Behandlung der Schüttellähmung bedeutet das allerdings nicht. Ein Hirnschrittmacher komme nur für zehn bis 20 Prozent der Patienten in Frage, vorwiegend für jüngere Kranke, schränkt der Kieler Neurologe Günter Deuschel ein. Und auch diese so genannte Tiefe Hirnstimulation kann Parkinson nicht aufhalten. „Die Tiefe Hirnstimulation kann nur den Schweregrad der Krankheit um 15 Jahre zurückverlegen“, sagt der Neurologe. Parkinson ist nach wie vor nicht heilbar und die Ursachen bleiben weiterhin im Dunkeln. Nur die Wirkung ist bekannt: Bei der Erkrankung sterben Nervenzellen im Gehirn ab, die Bewegungen durch Botenstoff-Produktion mit steuern.

Für die Studie waren 156 schwer kranke Parkinson-Patienten seit 2001 in acht deutschen Kliniken beobachtet worden, erläuterte Deuschel. Die Hälfte der Patienten erhielt einen Hirnschrittmacher. Chirurgen pflanzten ihnen dazu über ein winziges Loch in der Schädeldecke Elektroden in eine bestimmte Hirnregion ein. Die hauchdünnen Kabel werden an einen Impulsgenerator angeschlossen, der wie ein Herzschrittmacher unter dem Schlüsselbein sitzt. Schwache Stromstöße legen dann überaktive Nervenzellen in den tiefen Hirnregionen lahm. Viele Patienten, die sich zuvor nur zwei Stunden am Tag normal bewegen konnten, hatten laut Studie nun rund acht Stunden und länger keine großen Beschwerden.

Mitte der 90er Jahre wurden Parkinson-Patienten, die auf Medikamente nicht ansprachen, erstmals auf diese Weise behandelt. Bisher habe aber der Nachweis gefehlt, dass die Tiefe Hirnstimulation die Lebensqualität der Kranken wirklich verbessere, ergänzte Deuschel. Mit der Studie, die vom Bundesforschungsministerium mitfinanziert wurde, sieht er diesen Nachweis nun erbracht: „Bei 40 Prozent der Patienten haben sich die motorischen Fähigkeiten verbessert“, berichtete der Neurologe. Im Vergleich zur Kontrollgruppe sei die gesamte Lebensqualität der 78 operierten Patienten um ein Fünftel gestiegen. Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) nannte die Erkenntnisse einen „richtigen Weg“, Parkinson-Kranken zu helfen.

In Deutschland leiden zurzeit rund 250 000 Menschen an Parkinson. Das Risiko, zu erkranken, wächst mit steigendem Lebensalter. „Im Jahr 2050 werden wir in Deutschland eine Million Menschen mit Parkinson haben“, schätzt der Würzburger Neurochemiker und Kongresspräsident Peter Riedeler. Verbesserte Gentests und erste Bluttests seien in Entwicklung. Doch ein großes Problem bleibt vorerst: Parkinson kann heute zumeist erst diagnostiziert werden, wenn 60 Prozent der speziellen Nervenzellen im Mittelhirn bereits abgestorben sind.

Der Weltparkinsonkongress findet seit 1982 das erste Mal wieder in Deutschland statt. Mehr als 2 800 Ärzte und Wissenschaftler aus 75 Ländern sind zu der Tagung nach Berlin gereist.

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