Historischer Versuch
Der Griff nach dem Mars-Eis

Die spannendste Frage der Raumfahrt ist immer noch nicht geklärt. Gibt es außerirdisches Leben? Oder zumindest Wasser als Bedingung für Leben? Auf dem Nachbarplaneten Mars spricht einiges dafür, dass dort Wasser existiert. Doch der schlüssige Beweis fehlt noch. Die Sonde "Phoenix", die die Nasa am Samstag gen Mars schickt, soll nun einen historischen Versuch starten.

DÜSSELDORF. Nicht erst seit dem Abheben des ersten künstlichen Satelliten Sputnik-1 am 4. Oktober 1957 und dem Beginn der Raumfahrt sind zahlreiche fantastische Theorien über außerirdisches Leben oder Wasser als Bedingung dafür aufgestellt worden. Alle Planeten unseres Sonnensystems wurden seither von unbemannten Raumschiffen, so genannten Sonden, angeflogen oder von den stärksten irdischen und im Weltraum kreisenden Teleskopen untersucht. Vor allem unserem Nachbarplaneten Mars gilt das Interesse, denn es spricht einiges dafür, dass auf ihm Wasser existiert.

Die Nasa will am Samstag vom Kennedy Space Center auf der Halbinsel Cape Canaveral in Florida ein neues Raumfahrzeug zum Mars schicken, das mit Hochleistungs-Forschungsgeräten ausgestattet ist, wie sie noch nie auf dem Nachbarplaneten der Erde eingesetzt wurden. Die Marssonde Phoenix soll den Roten Planeten im Mai 2008 erreichen und in der Region Vastitas Borealis, auf der Mars-Nordhalbkugel, 233 Grad östlicher Länge, 68 Grad nördlicher Breite, landen. Diese Position würde auf der Erde einem Punkt nördlich des Polarkreises entsprechen. Die Sonde wird, falls die Mission planmäßig läuft, durch einen Fallschirm und Bremstriebwerke sanft auf der Marsoberfläche niedergehen.

In der Landeregion vermutet man relativ dicht unter der Oberfläche einen großen Anteil gefrorenen Wassers. Die Sonde soll dort mit einem 2,3 Meter langen Greifarm einen historischen Versuch unternehmen. „Es wird der erste Versuch sein, tatsächlich mit Mars-Wasser in Berührung zu kommen“, kündigt Duog McCuistion an, Direktor des Mars-Erforschungsprogramms der Nasa, „und zwar mit Wasser in der Form unterirdischen Eises.“ Bisher wurde das gefrorene Mars-Wasser nur mit Hilfe von Strahlungsmessungen festgestellt. Die um den Mars kreisende Nasa-Sonde „Odyssey Orbiter“ stellte im Jahre 2002 von ihrer Umlaufbahn aus Gamma-Strahlung fest, die vom Wasserstoff-Anteil des unterirdischen Mars-Eises ausgeht.

Phoenix soll einige Zentimeter unter dem Marsboden erstmals das Wasser-Eis ausgraben. Eine automatische Schaufel ist in der Lage, bis in eine Tiefe von einem halben Meter vorzudringen. Sie wird in einem in die Sonde integrierten Miniatur-Ofen Bodenproben erhitzen. Die erhitzten Proben würden dann flüchtige Substanzen freigeben – also etwa Wasser und gasförmige Kohlenstoff-Verbindungen. Diese können von Messinstrumenten analysiert werden. Andere Bodenproben werden auf ihre chemische Zusammensetzung hin untersucht.

Wasser und Kohlenstoff-Verbindungen stehen im Zentrum des Interesses, weil sie die Grundbausteine des Lebens sind. Und wo Wasser – oder Wasser-Eis – ist, kann daher auch Leben sein. Wenn auch kein mit dem bloßen Auge sichtbares. so könnte es doch mikroskopisch kleine Einzeller geben.

Untersuchungen in den Polar-Gebieten der Erde haben gezeigt, dass es zahlreiche Mikroorganismen gibt, die auf ein Leben im Eis eingestellt sind, das nur kurzzeitig schmilzt. „Phoenix wird nun untersuchen, ob gefrorenes Wasser dicht unter der Mars-Oberfläche zeitweise auftaut und damit Lebensbedingungen für Mikroben bietet“, heißt es jetzt bei der Nasa.

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