„Hobbit“ trotz Zwergenwuchs schon richtig schlau

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„Hobbit“ trotz Zwergenwuchs schon richtig schlau

Eine vor kurzem in Indonesien entdeckte Zwergmenschenart war trotz geringer Größe schon überraschend schlau. Der kleine „Hobbit“, der bis vor 18 000 Jahren auf einer Pazifikinsel lebte, maß nur einen Meter vom Scheitel bis zur Sohle.

dpa WASHINGTON. Eine vor kurzem in Indonesien entdeckte Zwergmenschenart war trotz geringer Größe schon überraschend schlau. Der kleine „Hobbit“, der bis vor 18 000 Jahren auf einer Pazifikinsel lebte, maß nur einen Meter vom Scheitel bis zur Sohle. Der Kopf des Menschen mit dem lateinischen Namen „Homo floresiensis“ war gerade so groß wie eine Pampelmuse.

Ein internationales Forscherteam berichtet in der Onlineausgabe des Wissenschaftsjournals „Science“ (www.sciencexpress.org) vom Freitag, dass die Hirnstruktur des kleinen „Hobbits“ der des aufrecht gehenden Homo erectus oder eines mindest ebenso fortgeschrittenen Australopithecus ähnelt. Dabei besaß der Zwergmensch nur ein Drittel der Gehirnmasse des Modernen Menschen.

Der „Hobbit“ hatte nach Meinung des federführenden Forschers, Dean Falk von der Staatlichen Universität von Florida, das Meer überquert und sich auf der winzigen Insel Flores (heute Indonesien) niedergelassen. Einige Charakteristika seines Fossils - so die schräge Stirn - bringt Falk mit dem Homo erectus in Verbindung, andere schon mit dem Homo sapiens, aus dem sich der derzeitige Mensch (Homo sapiens sapiens) entwickelte.

Überrascht war der Paleoneurologe, wie er in „Science“ schreibt, vor allem über die ausgefeilten Werkzeuge und die Hinweise auf selbst gemachtes Feuer in unmittelbarer Nähe der Fossilfundstätte. Ein dreidimensionales Modell von der äußerlichen Struktur des Hirns brachte eine deutliche Schwellung der vorderen Hirnlappen und andere anatomische Eigenarten des „Hobbit“ hervor, die auf fortgeschrittene Wahrnehmungsfähigkeiten schließen lassen.

Die Hirnstudie stellt zwei Möglichkeiten anheim, schreibt das Team in „Sciencexpress“: Entweder ist der „Hobbit“ eng mit dem Homo erectus verwandt und entwickelte sich nur aus Nahrungsmangel auf der Insel zum Zwergenwuchs, oder es gab einen bisher noch unbekannten Vorgänger von H. erectus und H. floresiensis mit kleinem Körper und kleinem Hirn.

Australische Forscher waren im September 2003 bei Ausgrabungen in der Liang-Bua-Höhle auf das Skelett einer erwachsenen „Hobbit“-Frau gestoßen und hatten ihren Fund im Oktober 2004 vorgestellt. Die schmale Statur und der kleine Schädel erinnerten an eine afrikanische Gattung der Menschenartigen (Hominiden), die frühen Australopithecinen. Schädel- und Kieferknochen stellten allerdings eine ungewöhnliche Mischung aus primitiven, moderneren und einzigartigen Merkmalen dar. Insbesondere Eigenschaften des Gesichts und der Zähne kennzeichneten das Skelett als zur Gattung Homo gehörend.

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