Hoch über Mexiko wächst ein riesiges Radioteleskop
Fenster ins All - Hoch über Mexiko wächst ein riesiges Radioteleskop

Hoch über Mexiko entsteht ein neues Fenster zum Weltall. Auf dem 4 560 Meter hohen Gipfelplateau des Cerro La Negra, rund 200 Kilometer östlich von Mexiko-Stadt, wird derzeit eines der größten Radioteleskope der Welt gebaut.

dpa TONANTZINTLA. Hoch über Mexiko entsteht ein neues Fenster zum Weltall. Auf dem 4 560 Meter hohen Gipfelplateau des Cerro La Negra, rund 200 Kilometer östlich von Mexiko-Stadt, wird derzeit eines der größten Radioteleskope der Welt gebaut.

Astronomen erhoffen sich vom „Large Millimeter Telescope“ (Großes Millimeterteleskop/LMT) neue Erkenntnisse über die Entstehung von Galaxien und den Ursprung des Universums. Die Bauarbeiten sind zu 80 Prozent abgeschlossen. Ende 2005 soll das vom mexikanischen Staat und der University of Massachusetts in den USA gemeinsam finanzierte LMT zum ersten Mal seine riesige Parabolantenne ins All richten.

Technische Schwierigkeiten, Finanzierungsengpässe sowie die Widrigkeiten des Geländes und des Wetters haben die eigentlich schon für voriges Jahr vorgesehene Fertigstellung verzögert. Zurzeit sind auf dem Bauplatz zwischen 80 und 90 Arbeiter und Ingenieure im Einsatz. Sie müssen jeden Tag aus einem knapp 2000 Meter tiefer gelegenen Dorf heraufgefahren werden, weil in der dünnen Höhenluft niemand schlafen kann. Vor der Kulisse des Pico de Orizaba, des 5 700 Meter hohen Nachbarbergs, wird jetzt die Parabolantenne am Boden montiert. Doch um sie auf das drehbare Stahlgestell des Teleskops zu hieven und dort zu verankern, werden zwei 1 000-Tonnen-Kräne benötigt - die in Einzelteilen auf den Berg gebracht werden müssen.

Mit einem Antennendurchmesser von 50 Metern wird das LMT das weltweit größte Teleskop für den Empfang von Radiowellen im Bereich von ein bis drei Millimetern Wellenlänge. Radioteleskope liefern im Gegensatz zu optischen Teleskopen keine Bilder, sondern empfangen elektromagnetische Schwingungen im nicht sichtbaren Bereich. Alle Materie im All sendet solche Strahlung aus, und jedes Atom und jedes Molekül hat eine spezifische Wellenlänge. Ein Kohlenmonoxidmolekül strahlt anders als ein Wasserstoffatom. Die Astronomen sprechen von einer Art „Fingerabdruck“ des Elementes. Wegen der Größe und seines Standorts in großer Höhe versprechen sich die Forscher vom LMT besonders genaue Messergebnisse.

„Wir können es kaum erwarten, dass das Teleskop fertig wird“, sagt der mexikanische Astronom Alberto Carraminana vom Nationalen Institut für Astrophysik, Optik und Elektronik (Inaoe). Zusammen mit den Kollegen in den USA haben die Wissenschaftler des Instituts schon etliche Forschungsprojekte vorbereitet. „Wir wollen die Entstehung neuer Sterne in unserer Galaxie, in nahen Galaxien und in sehr fernen Galaxien untersuchene“, sagt der Astronom. Doch auch unsere kosmische Nachbarschaft ist für die Forscher interessant: So wollen sie mit dem LMT auch den kürzlich entdeckten, bisweilen als „zehnten Planeten“ bezeichneten Himmelskörper „Sedna“ ins Visier nehmen.

Die Messergebnisse sollen am Inaoe in dem Dorf Tonantzintla, rund 125 Kilometer südöstlich von Mexiko-Stadt, und in Massachusetts ausgewertet werden. Auch Astronomen aus anderen Ländern sollen das Teleskop nutzen dürfen. Die Baukosten werden nach Aussage des Projektmanagers Emanuel Méndez Palma 104 Mill. Dollar (84 Mill. Euro) erreichen. „Für die USA ist es vielleicht nur ein Vorhaben unter vielen, aber für Mexiko ist es das wichtigste wissenschaftliche Projekt seiner Geschichte“, sagt Méndez.

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