Hoffnung der Sonnenforscher im Wüstensand von Utah begraben
Nasa-Mission "spektakulär gescheitert"

Die Nasa-Mission zum Einfangen des Sonnenwindes sollte ein weiterer Meilenstein der Weltraumforschung werden. Doch schließlich geriet die wohl gemeinte und nicht ganz billige Mission zum Desaster.

HB WASHINGTON. Wie die „Cassini“-Sonde, die in diesem Sommer atemberaubende Bilder vom Saturn lieferte, oder die beiden Mars-Roboter „Opportunity“ und „Spirit“, die seit Anfang des Jahres emsig auf dem Mars arbeiten. Auch die dritte große Mission diesen Jahres sollte sie in die Erfolgsgeschichte der Raumfahrt eingehen. Stattdessen landet das Sonnenwind-Projekt „Genesis“ nun in der Rubrik "spektakulär gescheitert".

Dabei lief drei Jahre lang und über Millionen Kilometer hinweg alles wie am Schnürchen. Von der Erde ferngesteuert entfaltete die Sonde „Genesis“ in mehr als eineinhalb Millionen Kilometer Entfernung akkurat ihre Kollektoren und sammelte Sonnenwindpartikel ein. 66 000 Kilometer über der Erde stieß sie am Mittwoch auf die berechnete Sekunde genau die Kapsel mit dem Material ab, die zur Erde zurück gleiten sollte. Vier Stunden später traf die Kapsel bei einer Geschwindigkeit von 11 Kilometern in der Sekunde das vorgegebene „Schlüsselloch“ in der Erdatmosphäre über dem Pazifik punktgenau.

Dann verließen die Nasa-Ingenieure das Glück

Dass die wertvolle Fracht aus dem All fast schon in Reichweite war und vor ihren Augen abstürzte, weil die Fallschirme zum Abbremsen der Kapsel versagten, ist für Nasa-Wissenschaftler wie Don Burnett besonders hart. Die Frucht seiner 20-jährigen Arbeit an diesem Projekt wurde buchstäblich in den Sand gesetzt. „Wir dürften bald mit einer Präzision, die nie zuvor möglich war, sagen können, aus was die Sonne zusammengesetzt ist“, hatte er noch vor ein paar Tagen geschwärmt. Wissenschaftler hielten es für möglich, dass mit den Erkenntnissen aus dem „Genesis“-Projekt die ganze Theorie über die Entstehung unseres Sonnensystems vor fünf Milliarden Jahren auf den Kopf gestellt werden könnte.

Die Nasa hofft nun, wenigstens ein paar der winzigen Sonnenwindpartikel retten zu können. Das Ziel, den Sonnenwind ohne Kontaminierung aus der Erdatmosphäre zu studieren, ist aber abgeschrieben. Dafür hätte die Kapsel hermetisch abgeriegelt innerhalb von zwei Stunden nach Landung in ein Speziallabor gebracht werden müssen. Weil eine Explosion des Fallschirmmechanismus nicht auszuschließen war, lag sie dagegen zunächst stundenlang im Wüstensand.

In der Weltraumforschung, die immer neue wissenschaftliche Grenzen durchstößt, sind Fehlschläge vorprogrammiert. Vor fünf Jahren verglühte der „Mars Climate Orbiter“ in der Marsatmosphäre, weil bei der Programmierung metrische und imperiale Maßeinheiten verwechselt worden waren. Der „Mars Polar Lander“ zerschellte kurz darauf wegen eines Programmierfehlers auf dem roten Planeten.

Die Nasa hat sich von Rückschlägen nie entmutigen lassen. „Die Erkundung des Himmels ist keine einfache Aufgabe“, sagte Nasa-Chef Sean O'Keefe. „Mit jeder neuen Mission schieben wir die Grenzen des Wissens und der Technologie weiter hinaus. Unser Ergebnis wird am Ende daran gemessen werden, was wir in der ganzen dreijährigen Mission gelernt haben.“ Sieben weitere Sonden sind noch auf Entdeckungsreise im Sonnensystem, darunter „Ulysses“ und „Soho“, die die Nasa mit der europäischen Weltraumagentur Esa gestartet hat.

Das größte Kopfzerbrechen dürfte der Nasa zur Zeit allerdings eine weitere Sonde machen, die mit Partikel vom Kometen Wild 2 auf dem Weg zurück zur Erde ist. Die „Stardust“-Sonde soll Anfang 2006 landen - wie die Genesis-Kapsel am Fallschirm. Sie ist mit einem ganz ähnlichen Landemechanismus ausgestattet.

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