Hohe Auszeichnung

Chemie-Nobelpreis für drei DNA-Forscher

Sie haben erforscht, wie Zellen beschädigtes Erbgut reparieren - und damit den Weg zu neuen Krebstherapien gewiesen. Dafür erhalten Tomas Lindahl, Paul Modrich und Aziz Sancar nun den Chemie-Nobelpreis.
Update: 07.10.2015 - 14:35 Uhr

Königlich-schwedische Akademie ehrt drei DNA-Forscher

Stockholm/BerlinDer Chemie-Nobelpreis geht in diesem Jahr an Tomas Lindahl (Schweden), Paul Modrich (USA) und Aziz Sancar (USA/Türkei). Die Forscher werden ausgezeichnet für ihre Untersuchungen der Reparaturmechanismen des Erbgutmoleküls DNA.

Die drei Forscher hätten „auf molekularer Ebene entschlüsselt, wie Zellen beschädigte DNA reparieren und die genetischen Informationen erhalten können“, heißt es in der Begründung. Die Arbeit der Wissenschaftler habe „grundlegendes Wissen über das Funktionieren lebender Zellen“ geliefert und sei beispielsweise nützlich für die Entwicklung neuer Krebstherapien.

Der Tag der Preisvergabe
Wirtschaftsnobelpreis für Angus Deaton
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Wer beim Wirtschaftsnobelpreis auf einen US-Bürger als Gewinner tippt, liegt selten falsch –  keine andere Nation hat so häufig den höchsten Preis für Wirtschaftswissenschaften abgeräumt. Auch der diesjährige Preisträger besitzt die US-Staatsbürgerschaft, geboren wurde Angus Deaton  allerdings im schottischen Edinburgh.

Individuellen Konsumentscheidungen verstehen
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Deaton lehrt an der US-Eliteuniversität Princeton. Im Zentrum seiner Arbeit  stehen Fragen der Entwicklungs-, Wohlfahrts- und Gesundheitsökonomie. Deaton nutzt für seine Ergebnisse unter anderem die Befragung von Haushalten in Entwicklungsländern. Von der Nobelpreis-Jury ausgezeichnet wird er nun für seine Analyse von Konsum, Armut und Wohlfahrt.

„Um eine Wirtschaftspolitik zu entwerfen, die das Wohlergehen fördert und Armut reduziert, müssen wir zuerst die individuellen Konsumentscheidungen verstehen“, lobte das Komitee die Arbeit des 69-Jährigen. „Mehr als jeder andere hat Angus Deaton dieses Verständnis verbessert.“

Friedensnobelpreis für tunesisches Dialogquartett
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Das tunesische Quartett für einen nationalen Dialog wird mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Der Gruppe werde der Preis für ihre Bemühungen für den „Aufbau einer pluralistischen Demokratie“ zuerkannt, so das Nobelpreiskomitee in Oslo. Dem Dialogquartett gehören der tunesische Gewerkschaftsverband, der tunesische Arbeitgeberverband, die Menschenrechtsliga des Landes und die Anwaltskammer an.

Im Bild die Chefs der vier Organisationen: Wided Bouchamaoui, Präsidentin des Arbeitgeberverbandes; Houcine Abbassi, Generalsekretär des Gewerkschaftsverbandes; Abdessattar ben Moussa, Präsident der Menschenrechtsliga; Mohamed Fadhel Mahmoud, Präsident der nationalen Anwaltskammer (v. l.).

Ausgangsland des Arabischen Frühlings
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Tunesien war Ausgangsland des sogenannten Arabischen Frühlings, bei dem in Volksaufständen mehrere Machthaber arabischer Länder gestürzt wurden. Das tunesische Quartett für einen nationalen Dialog bemühte sich nach dem Sturz des langjährigen tunesischen Machthabers Zine El Abidine Ben Ali 2011, einen Übergang zur Demokratie zu ermöglichen. „Sie begründete einen alternativen, friedlichen politischen Prozess in einer Zeit, in der das Land am Rande des Bürgerkriegs stand“, heißt es in der Begründung der Nobel-Jury.

Literaturnobelpreis für Swetlana Alexijewitsch
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Swetlana Alexijewitsch (67) ist mit einem ganz eigenen literarischen Stil zum moralischen Gedächtnis des zerfallenen Sowjetimperiums geworden. Die weißrussische Schriftstellerin hat mit ihren Collagen das Leid, die Katastrophen und den harten Alltag der Menschen in ihrer Heimat aufgearbeitet. 2013 erhielt sie dafür den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Jetzt wurde sie mit den Literaturnobelpreis geehrt.

Romane in Stimmen
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Alexijewitschs Werke sind „Romane in Stimmen“. Erstmals wandte die gelernte Journalistin ihre literarische Methode 1983 im Buch „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ an. Mit Interviews dokumentierte sie das Schicksal sowjetischer Soldatinnen im Zweiten Weltkrieg.

Für „Zinkjungen“ (1989) sprach sie mit mehr als 500 Veteranen des sowjetischen Afghanistan-Feldzugs und Müttern gefallener Soldaten. Genauso porträtierte sie 1997 die Überlebenden der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Als ihr Großwerk gilt „Secondhand-Zeit“ von 2013 – eine Sammlung von Stimmen über die erschütternden Erfahrungen des kommunistischen Experiments in der Sowjetunion.

Swetlana Alexijewitsch bei der Friedenspreis-Verleihung 2013
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Alexijewitsch wurde am 31. Mai 1948 im westukrainischen Stanislaw (heute Iwano-Frankowsk) geboren. Sie arbeitete nach einem Journalistik-Studium zunächst bei einer Lokalzeitung sowie als Lehrerin. Da sie unter dem autoritären Regime in Weißrussland öffentlich kein Gehör fand und ihre Werke nicht verlegt wurden, hielt sie sich viele Jahre im Ausland auf.

2011 zog sie trotz ihrer oppositionellen Haltung zurück nach Minsk. „Ich will zu Hause leben, unter meinen Leuten, meinen Enkel aufwachsen sehen“, sagte sie. Außerdem sei Quelle ihres Schaffens immer das Gespräch mit den Menschen gewesen. „Und das kann ich am besten hier und in meiner Sprache“, sagt Alexijewitsch.

Die Entdeckungen der drei Forscher hätten enorme Konsequenzen gehabt, betonte die Chefin der Nobel-Jury, Sara Snogerup Linse. „Das Leben, wie wir es heute kennen, ist vollständig abhängig von DNA-Reparaturmechanismen.“

Bis zu den Arbeiten von Tomas Lindahl war die Forschung davon ausgegangen, dass die DNA ein sehr stabiles Molekül sein müsse. Tatsächlich kommt es aber immer wieder zu Schädigungen des Erbgutmoleküls, etwa durch die UV-Strahlung der Sonne oder beim Prozess der Zellteilung. Ohne die ständige Reparatur der DNA würde unser genetisches Material im Chaos versinken – Leben, wie wir es kennen, wäre dann nicht möglich.

Tomas Lindahl erkannte, wie instabil die DNA tatsächlich ist, und legte mit seiner Arbeit den Grundstein für die Erforschung jenes „Werkzeugkastens“, mit dessen Hilfe die Zelle beschädigtes Erbgut repariert. Die sogenannte Basenexzisions-Reparatur (BER), mit der ein fortschreitender Zerfall des langen DNA-Strangs verhindert wird, ist seine Entdeckung.

Aziz Sancar erforschte einen Mechanismus namens Nukleotidexzisions-Reparatur (NER). Damit reparieren Zellen Schäden, die durch UV-Licht verursacht  werden. Menschen, bei denen dieser Mechanismus gestört ist, sind in besonderem Maße durch Hautkrebs gefährdet.

Paul Modrich schließlich entdeckte den Mechanismus der sogenannten Mismatch-Reparatur. Dabei werden Fehler korrigiert, die bei der Zellteilung auftreten, wenn der DNA-Strang kopiert wird. Ist dieser Reparaturmechanismus gestört, kann das zu Darmkrebs führen.

Erster türkischer Preisträger in einer Naturwissenschaft
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