Hollywood
Kampf um die dritte Dimension

Die Zukunft ist dreidimensional. Kinofilme sollen bald zum räumlichen Erlebnis werden. Die Filmindustrie setzt zunehmend auf Streifen in 3D. Doch fehlende Standards für die Kinos könnten den Wachstumsmarkt lahmlegen. Nach dem zermürbenden Krieg um Blu-ray und HD-DVD droht jetzt eine Schlacht der Lichtspielhäuser.
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LOS ANGELES. Draußen strahlt die kalifornische Herbstsonne. Drinnen im Ballsaal des Hilton-Hotels am Rande der Universal Studios in Hollywood ist die Stimmung eher düster. Eigentlich waren die Mächtigen der Unterhaltungsindustrie zum 3D-Entertainment-Summit gekommen, um die ebenso profitable, wie dreidimensionale Zukunft ihrer Traumfabrik zu feiern. Aber in der Realität droht nach dem zermürbenden und Jahre dauernden Formatkrieg von Blu-ray und HD-DVD um die Nachfolge der Video-DVD die nächste Schlacht.

Gigantische Investitionen in digitale 3D-Filme könnten sich in teure Flops verwandeln, wenn die Digitalisierung der Kinowelt ins Stocken gerät. Denn die Betreiber der Lichtspielhäuser wissen nicht, in welche Technik sie sicher investieren können. Das Problem: Der Chemiefilm will einfach nicht sterben, sondern dem Digital-3D Paroli bieten.

Der alte Film muss aber sterben, jedenfalls, wenn es nach dem Willen von Mogulen wie Jeffrey Katzenberg geht. „In drei Jahren werden alle Hollywood-Filme in 3D produziert werden“, ruft der Dreamworks-Chef den Top-Managern zu. Aber dreidimensionaler Film bedeutet für ihn gleichzeitig Digitalkino – Bits und Bytes für digitale Projektoren statt sperriger Filmrollen, die quer durch Kontinente gekarrt werden müssen. Doch Katzenberg hat die Rechnung ohne Technicolor gemacht, den Herrscher über die Filmrollen, der 1939 die Welt von Schwarz-Weiß erlöste. Der Filmverarbeiter hat 200 Mio. Dollar in seine Produktionsanlagen investiert und träumt von einer rosigen Zukunft – digital und analog.

Der Optimismus basiert auf einer neuen Technik – und dem chronischen Geldmangel der Kinobetreiber. Die Umrüstung eines Saals auf digitale 3D kostet „100 000 bis 120 000 Euro“, sagt Cinemaxx-Vorstand Christian Gisy. Die deutsche Kette hat 60 Säle umgerüstet – ein Fünftel aller Leinwände. Technicolor will diese Summen mit einer Speziallinse, die auf bestehenden Filmprojektoren installiert wird, locker unterbieten. Die Kosten liegen bei 17 000 Dollar, erklärt Technicolor-Manager Mike Wolsch im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Der Trick: Auf jedem Frame der Filmrolle sind zwei Bilder statt nur einem untergebracht. Die Linse projiziert die Bilder leicht versetzt auf die Leinwand, je eines für das linke und das rechte Auge. Zusammen mit der 3D-Brille – ohne Augengläser läuft nichts im 3D-Kino – entsteht beim Betrachter das räumliche Bild. Bei früheren Versuchen dieser Technik waren zwei Projektoren nötig. Heute reicht ein Gerät. Das verhindert, dass unscharfe Bilder entstehen.

Was bliebe, wären alte Probleme, etwa verkratzte und fleckige Filmkopien nach Dutzenden Vorführungen. „Wir können jedoch in kürzester Zeit Tausende Säle umrüsten“, sagt Wolsch. Bis Jahresende seien noch bis zu 2000 möglich.

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  • ich habe mich eine echte 3D videobrille gekauft. Tolles Gerät! http://www.relaxview.de

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