IBM ist auf Suche nach Käufern für seine Supermaschinen
IBM rüstet sich für die Gentechnik

Der Superrechner „Blue Gene“ steckt in den Startlöchern und soll die Forschung an Genen und Proteinen beschleunigen.

NEW YORK. Die Labormaus bekommt Konkurrenz von der Computermaus: Statt Mikroskop und Reagenzglas stehen in den Labors von medizinischen Forschungseinrichtungen und Pharmakonzernen verstärkt Datenbanken sowie Computer. Denn für Biowissenschaftler wie Gustavo Stolovitzky ist der Einsatz leistungsstarker Rechner mittlerweile unerlässlich. Mit ihrer Hilfe kann er etwa das Genmaterial lebender Mäuse vergleichen und Krankheitsmuster deutlich schneller erkennen.

Was Stolovitzky beim Forschen hilft, soll seinem Arbeitgeber und Förderer IBM neuen Umsatz bringen. IBM bastelt seit drei Jahren an einem Supercomputer, der gigantische Datenmengen verarbeiten kann. „Blue Gene“ soll die Forschung an Genen und Proteinen voranbringen – und somit auch die Entwicklung neuer maßgeschneiderter Medikamente. Jetzt steht „Blue Gene“ in den Startlöchern.

Für den Erfolg in der Biotechnologie sei eine zeitaufwendige Analyse von „gigantischen Datenmengen nötig, die nur riesige Rechner leisten können“, erläuterte Stolovitzky bei einer Vorstellung seiner Forschungsarbeit am Watson Research Center im Bundesstaat New York.

Dort sitzt die Forschungszentrale von IBM, in der der Konzern an Systemen für Medizin und Biowissenschaft arbeitet – so wie es andere große IT-Konzerne in eigenen speziellen Abteilungen auch tun (siehe Kasten). „Blue Gene“ soll mit rund einer Million Mikroprozessoren arbeiten und es auf ein Peta-Flops bringen, das sind 1 000 Billionen Rechenschritte in der Sekunde. Damit wird „Blue Gene“ leistungsfähiger sein als 500 der weltbesten Rechner zusammen. Zunächst soll „Blue Gene“ die Struktur menschlicher Proteine analysieren – deren Wirken ist für die Entstehung von Krankheiten von großer Bedeutung.

Langfristig soll der Rechner die Forschung revolutionieren. Die ersten der 65 500 speziell für den Supercomputer hergestellten Chips sind im Juni eingetroffen. In den nächsten Wochen soll getestet werden, ob der erste Teil des Rechners wie vorgesehen anspringt. „Wenn uns „Blue Gene“ gelingt, bricht in zwei bis drei Jahren ein neues Zeitalter für die Forschung an“, sagte William Pulleyblank, bei IBM und zuständig für die Entwicklung des Rechners.

IBM ist derzeit auf der Suche nach Käufern für seine Supermaschinen. Um sich den Vorsprung in der Biowissenschaft zu sichern, hat der Konzern 100 Mill. $ in die Abteilung „Life Science“ gesteckt. Dort arbeiten 150 Forscher, vor allem Biologen, Bioinformatiker und Physiker. Sie publizieren ihre Forschungsprojekte in der Fachliteratur.

Die Doktoren sind gutes Marketing für IBM. Sie beraten potenzielle Kunden aus der Pharmaindustrie, Kollegen aus der Wissenschaft sowie Regierungsvertreter. „So bekommen wir Zugang zu den Expertenzirkeln“, sagte Carol Kovac, Leiterin von „Life Science“.

Fraglich bleibt allerdings, ob ein Supercomputer von IBM-Ausmaßen überhaupt nötig ist. „Ein günstigerer aber dafür langsamerer Computer reicht auch. Dann muss man eben warten, bis der Rechner die Ergebnisse am nächsten Tag ausspuckt“, sagte Terrence Sejnovski vom Salk Institute for Biological Studies. Er bestreitet jedoch nicht, dass die Wissenschaft von „Blue Gene“ profitieren wird.

Für IBM selbst zahlt sich der Supercomputer bisher noch nicht aus. 5 % der hauseigenen Forschung beschäftigt sich mit „Life Science“, deren Umsatzanteil am Konzerngeschäft liegt jedoch weit unter 5 %. Aber der Forschungs- und Beraterstab scheint allmählich Erfolge zu verbuchen. In den nächsten zwei Monaten will die private US-Klinik Mayo erstmals ein Produkt der Zusammenarbeit mit IBM testen: Ein riesiges elektronisches Lager aller Patientendaten. Die Mayo-Klinik plant diese Bibliothek demnächst einzusetzen, um ihren Patienten individuell zugeschnittene Medikamente verschreiben zu können.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%