Im Interview: Bradley Morton
„Der Treibstoffverbrauch muss sinken“

Bradley Morton ist der Leiter der Luftfahrt-Sparte der Eaton Corporation. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht Morton über Umwelttechnologien in der Luftfahrtbranche, den wirtschaftlichen Druck, Öl zu sparen und über die Notwendigkeit von Forschung in der Krise.
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Die Luftfahrtbranche steht im Ruf, das Klima schwer zu belasten. Kann Fliegen jemals umweltfreundlich sein?

Die Luftfahrtindustrie hat in Sachen Umweltschutz bereits gewaltige Fortschritte gemacht. Allein in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Energieeffizienz um fast 20 Prozent erhöht. Für die nahe Zukunft streben die Mitglieder des Weltluftfahrtverbandes IATA ein CO2-neutrales Wachstum an, langfristig sollen die Emissionen um 50 Prozent reduziert werden.

Das Bestreben, künftig eine umweltfreundlichere Industrie zu werden, ist auch bei Airbus, Boeing und den Triebwerksherstellern sehr groß. Die Luftfahrtsparte von Eaton trägt mit der Entwicklung von zahlreichen neuen Technologien zu mehr Energieeffizienz bei.

Um welche Technologien handelt es sich dabei konkret?

Unseren Kunden dabei zu helfen, den Flugbetrieb effizienter und nachhaltiger zu organisieren, hat höchste Priorität. Wir wollen dazu beitragen, Kraftstoffe effizienter zu nutzen und das Gewicht von Flugzeugen deutlich zu reduzieren. Eaton liefert beispielsweise besonders leichte Hydraulikpumpen für den A380 an Airbus. Mit unseren Produkten konnte Airbus das Gewicht seiner Flugzeuge um fast eine Tonne reduzieren. Das spart jährlich 50 Tonnen an Kerosin und senkt die CO2-Emissionen um 150 Tonnen.

Wir arbeiten auch an neuen Benzinpumpen, mit denen Triebwerkshersteller die Effizienz ihrer Systeme weiter erhöhen können. Wir schätzen, dass wir damit 10 000 Liter Kerosin im Jahr einsparen können. Außerdem hat Eaton eine neue Isolationstechnik entwickelt, die in Flugzeugen mit Leichtbaustrukturen eingesetzt wird. Auch hier erzielen wir deutliche Einsparungen beim Gewicht.

Öl ist derzeit deutlich billiger als noch vor einem Jahr. Ist der wirtschaftliche Druck Energie zu sparen dadurch gesunken?

Ich kann nicht darüber spekulieren, wie hoch der Ölpreis in nächsten Jahren sein wird. Aber eines ist für uns völlig eindeutig: Die Treibstoffausgaben sind nach wie vor der größte Kostenfaktor im operativen Flugbetrieb. Um die Flugkosten wie angepeilt um 25 bis 30 Prozent zu reduzieren, müssen wir den Treibstoffverbrauch effizienter gestalten - egal wie hoch der Ölpreis ist.

Kann es sich Ihr Unternehmen auch in der Krise leisten, die kostspieligen Entwicklungen in umweltschonende Technik weiter voranzutreiben?

Der größte Teil unserer Forschungs- und Entwicklungsausgaben fließt in Technologien, mit denen wir die Energieeffizienz erhöhen sowie die Belastungen für die Umwelt verringern. Das verlangen nicht nur unsere Kunden, sondern das verlangt auch unsere Unternehmenskultur. In Zukunft werden wir die Investitionen in grüne Technologien weiter erhöhen. Und wir planen zudem auch weitere strategische Zukäufe und Partnerschaften in diesem Bereich. Eine der spannendsten Herausforderungen für die Zukunft ist für mich, Technologien aus unseren anderen Geschäftsfeldern auf die Luftfahrt zu übertragen.

Die Fragen stellte Mathias Peer.

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