Im Porträt: Martin Chalfie
Schwer zu erreichen

Es war wie immer bei Martin Chalfie: Als das Nobelkomitee ihn am Mittwoch über den Gewinn des Chemie-Nobelpreises informieren wollte, war der Anrufbeantworter mal wieder voll. Nicht der erste für sein Forscherleben wichtige Anruf, den Chalfie verpasste.

dpa NEW YORK. Der Neurobiologe Martin Chalfie war schon immer schwer zu erreichen. „Der Speicher ist voll!“, tönte es am Mittwoch von seinem Privatanschluss in Manhattan sowie den Telefonen in seinem Büro und dem Labor an der Columbia-Universität in New York zurück. Wieder einmal waren alle Anrufbeantworter des Wissenschaftlers randvoll. Kein Durchkommen auch für das Nobelkomitee der Schwedischen Akademie der Wissenschaft.

„Martin Chalfie haben wir telefonisch leider nicht erreicht“, berichtete auch der Akademiesekretär Gunnar Öquist in Stockholm. „Wir haben ihm eine E-Mail geschickt, dass er den Nobelpreis bekommen hat.“

Chalfie hat schon häufiger Anrufe verpasst. So wäre ihm vor Jahren um ein Haar die Forschungsarbeit am grün fluoreszierenden Protein (GFP) und damit sein Anteil am diesjährigen Nobelpreis in Chemie entgangen. Sein Kollege Douglas Prasher versuchte Chalfie Anfang der 90er Jahre zu erreichen, um ihm von seiner Entdeckung des GFP-Gens zu berichten und eine Genkopie zu schicken. Doch Chalfie hatte sich aus seinem New Yorker Labor zurückgezogen und war eine zeitlang in Utah.

„Damals ging er nie ans Telefon“, erzählte Prasher dem „Forbes“ Magazin. „Er hatte dort eine Freundin“. Chalfie hat es einem Zufall zu verdanken, dass er in Utah auf Prashers Veröffentlichung stieß - und umgehend mit ihm Kontakt aufnahm.

Zurück in seinem Labor, pflanzte Chalfie Prashers GFP-Sequenzen in Bakterien und sah diese leuchten, wenn er sie mit blauem Licht beschien. Sein 1994 publiziertes Ergebnis machte das Protein als genetischen Marker weithin bekannt. Chalfies Freundin Tulle Hazelrigg aus Utah ist inzwischen seine Frau und arbeitet als Professorin ebenfalls an der Columbia-Universität. Die Spezialistin für Fruchtfliegen verknüpfte GFP mit anderen Proteinen und zeigte als eine der Ersten, wie sich Proteine innerhalb einer Zelle bewegen.

Die Ständige Sekretärin des Nobelkomitees für Chemie, Astrid Gräslund, hob die Leistung des Amerikaners am Mittwoch mit den Worten hervor: „Chalfie hat sich bei der Weiterentwicklung nicht an die konventionellen Weisheiten gehalten, sondern ist eigene Wege gegangen“. Chalfie wurde 1947 geboren und wuchs in Chicago auf. Er promovierte an der Harvard Universität und forscht seit 1982 bei Columbia-Universität, eine der offiziellen Eliteschulen der USA.

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