Im Porträt: Osamu Shimomura
Familiensport Quallensammeln

Für viele Sommerurlauber gehören Quellen zu den negativen Begleiterscheinungen einer Reise ans Meer. Nicht so für den frischgebackenen Chemie-Nobelpreisträger Osamu Shimomura. Für ihn war die Suche nach den glibberigen Organismen notwendige Voraussetzung seiner Forscherarbeit.

dpa NEW YORK/WOODS HOLE. Der Japaner Osamu Shimomura ist von einem ungebremsten Forscherdrang beseelt. 20 Jahre lang verbrachte der Chemiker seinen Sommerurlaub mit der Familie im Nordwesten der USA. Dort sammelte er mit Frau, Sohn und Tochter emsig jene Quallen, deren leuchtende Punkte vom grün fluoreszierenden Protein (GFP) hervorgerufen werden.

Bis zu 3000 glibberige Exemplare dieser Qualle mit dem lateinischen Namen Aequorea victoria brachte die Familienaktion in der Friday-Bucht des US-Bundesstaates Washington pro Tag ein. Am Ende eines Sommers hatten die Shimomuras bis zu zweieinhalb Tonnen Quallen zusammengetragen, gerade genug für den Forscher, um einige hundert Milligramm GFP für seine Arbeit zu gewinnen, wie das „Forbes“-Magazin 2001 berichtete.

Shimomura gelang es 1962 als Erstem, das grünlich fluoreszierende Protein zu isolieren und herauszufinden, welcher Teil dieses Eiweißes für das Leuchten verantwortlich ist. Seit 2001 ist er, der am Mittwoch mit seinen Kollegen Martin Chalfie und Roger Y. Tsien den diesjährigen Nobelpreis in Chemie zugesprochen bekam, offiziell im Ruhestand. Das Ende seiner Arbeit am Meeresbiologielabor in Woods Hole (Massachusetts) bedeutete für Shimomura aber keineswegs das Ende seiner Forschung. Mithilfe von Frau und Freunden richtete er sich ein eigenes „Photoprotein-Labor“ in seinem Haus im Nachbarort Falmouth ein und setzt seine Arbeit nun im Keller fort.

So privat wie mit seiner Forschung hält es der frisch gebackene Nobelpreisträger auch mit der „Öffentlichkeitsarbeit“: Nachdem ihn der Anruf aus Stockholm frühmorgens gegen 5.30 Uhr erreicht hatte, legte er den Hörer neben sein Telefon und war nach Auskunft der Presseabteilung seines früheren Instituts für niemanden zu erreichen. Das Institut schickte eine Delegation zu ihm nach Hause, um ihm gratulieren und für Interviews gewinnen zu können.

Shimomura wurde 1928 in Kyoto geboren, promovierte 1960 in organischer Chemie an der Nagoya-Universität, folgte später einem Ruf an die Princeton-Universität im US-Bundesstaat New Jersey und forschte von 1980 bis zu seiner Pensionierung 2001 in Woods Hole. Er besitzt weiterhin die japanische Staatsbürgerschaft.

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