Immer mehr Anwendungen
Supraleiter mittlerweile im Griff

Die ersten Supraleiter wurden vor knapp einem Jahrhundert entdeckt. Nun wird das physikalische Phänomen endlich auch alltagstauglich.

HB HANNOVER/JENA. Die meist keramischen Wundermaterialien, die bei sehr tiefen Temperaturen keinen elektrischen Widerstand mehr haben und Strom verlustfrei leiten, sind nicht mehr nur in den Kernspintomographen gut ausgestatteter Krankenhäuser zu finden. Auch Energieversorger, Motorenbauer und Chiphersteller interessieren sich zunehmend für die Technik. Auf einem Gemeinschaftsstand in der Forschungshalle der Hannover Messe (bis 15. April) zeigen Institute und Unternehmen neueste Supraleiteranwendungen.

Die Entwickler lernen, die Brüchigkeit der meisten supraleitenden Materialien, die mit flüssiger Luft oder gar flüssigem Helium weit unter den Gefrierpunkt gekühlt werden müssen, besser in den Griff zu bekommen. Schiffe könnten schon bald mit der Energie sparenden Technik fahren. „Die Motoren sind nur halb so groß und schwer wie vergleichbare Dieselmotoren und können deutlich schneller beschleunigen“, schwärmt Heinz-Werner Neumüller, der bei Siemens Supraleiterantriebe entwickelt. Zudem hätten sie einen höheren Wirkungsgrad. In spätestens fünf Jahren soll die Technik marktreif sein.

Das Institut für Physikalische Hochtechnologie Jena (IPHT) arbeitet zusammen mit Moskauer Forschern an supraleitenden Pumpen für Wasserstoff betriebene Flugzeuge. Der Elektromotorenhersteller Oswald im bayerischen Miltenberg entwickelt Motoren auf Supraleiter-Basis, die zunächst in hydraulischen Pressen, etwa bei der DVD-Herstellung, Anwendung finden sollen, sowie in der Prüfung von Automotoren.

Eine gänzlich andere Vorstellung von Transportsystemen der Zukunft hat Ludwig Schultz vom Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden. Vergangenen Herbst stellte er einen Wagen vor, den starke Supraleiter-Magneten wenige Zentimeter über dem Boden schweben lassen können. Der Auftrag, damit eine Straßenbahn anzutreiben, sei zwar noch nicht in Sicht. „Aber Chip- und Pharmahersteller haben ihr Interesse bekundet“, sagt Schultz. Denn der Transport auf der Supraleiter-Schiene ist nicht nur geräuschlos und stoßfrei. „Es entsteht auch kein Abrieb, was in Reinräumen wichtig ist.“

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