In einigen Oberklassefahrzeugen ist die neue Feststellbremse bereits integriert
Die elektronische Parkbremse denkt mit

Bei der Handbremse steht ein Generationswechsel an: Erste Autos der Oberklasse rollen bereits mit elektrischer Parkbremse vom Band,

DÜSSELDORF. Bei der Handbremse steht ein Generationswechsel an: Erste Autos der Oberklasse rollen bereits mit elektrischer Parkbremse vom Band, zum Beispiel der neue Jaguar XJ, die 7er-Serie von BMW oder der Audi A8. Und in den kommenden Jahren wird der Markt für die Bremse weiter wachsen: Für 2005 schätzt Automobilzulieferer Siemens VDO das Volumen auf vier Millionen Einheiten.

Mit der neuen Technik kann der Fahrer die Bremse manuell über einen kleinen Knopf oder Hebel in Lenkradnähe feststellen und lösen. Hinzu kommen jede Menge Sonderfunktionen, die unbemerkt im Hintergrund laufen, wie eine Anfahrtshilfe am Berg. „Die elektronische Parkbremse ist ein enormer Sicherheits- und Komfortgewinn“, sagt VDO-Sprecher Johannes Winterhagen.

Die Zulieferer bieten den Autobauern zwei Techniken an: Die erste ist eine Kombination aus Elektrik und Mechanik. Hier wird ein kleiner Motor zum Beispiel im Kofferraum angebracht, der zum Feststellen der Bremsen einen Seilzug spannt. Variante zwei: Ein Steuergerät versorgt Motoren mit Spannung, die unmittelbar am Bremssattel sitzen und die Beläge an die Bremsscheibe pressen. Eine Anzeige im Armaturenbrett signalisiert dem Fahrer, dass die Parkbremse eingeschaltet ist.

Die Elektronik sorgt dafür, dass die Bremse intelligenter ist als ihre Vorgängerin. Sie registriert alles, was im Auto passiert. Dazu wertet ein Prozessor zum Beispiel Daten aus der Motorsteuerung oder von Sensoren aus und sorgt beispielsweise dafür, dass sich die Parkbremse automatisch feststellt, wenn der Fahrer den Zündschlüssel herauszieht. Ebenfalls praktisch: Tritt der Autofahrer später nach dem Start des Motors auf das Gaspedal, wird die Bremse automatisch gelöst. Ist die Bremse beim Parken einmal aktiviert, verbraucht sie keinen Strom mehr.

Eine große Hilfe sind die neuen Feststellbremsen beim Anfahren am Berg. Über Sensoren ermittelt die Elektronik, wie steil der Abhang ist. Hält der Fahrer an, schließt die Bremse automatisch – so lange, bis er wieder startet. „So wird verhindert, dass das Fahrzeug zurückrollt“, sagt VDO-Sprecher Winterhagen. Besonderheit bei Audi: Der Anfahrtsassistent funktioniert nur, wenn der Gurt angelegt ist.

Auch in der Stadt greift das System dem Fahrer unter die Arme. Im BMW kann er es zum Beispiel vorgeben, dass sich die Parkbremse automatisch feststellt, sobald das Auto steht. Dann kann er entspannt den Fuß vom Pedal nehmen. „Das ist besonders im Stop-and-go-Verkehr ein großer Vorteil“, sagt BMW-Sprecher Alfred Bröde.

Continental will die Parkbremse künftig außerdem als Einparkhilfe nutzen. Zusammen mit der Abstandssensorik soll sie den Fahrer beim Rangieren in die Parklücke unterstützen: „Sie hält das Fahrzeug automatisch an, wenn es beim Einparken zu nah an ein anderes Auto herankommt“, erläutert Alexander Leon, Leiter der Produktlinie „Elektronische Parkbremse“ beim Zulieferer Continental.

Die elektronische Parkbremse dient außerdem als Notbremse und kann zusammen mit dem Antiblockiersystem (ABS) ein Fahrzeug aus voller Fahrt zum Stillstand bringen. Damit erfüllt die Bremse die Forderung des Gesetzgebers, die vorgibt, dass die Feststellbremse ein fahrendes Auto abstoppen können muss. „Im Gegensatz zu konventionellen Systemen muss der Fahrer keine Kraft aufbringen. Durch die ABS-Regulierung wird ein Blockieren der Räder verhindert“, erläutert Continental-Experte Leon.

Weil der Hebel aus dem Innenraum verschwindet, sinkt außerdem die Verletzungsgefahr beim Unfall. Gleichzeitig bekommen die Designer mehr Gestaltungsfreiraum: Der Bremshebel passe nicht mehr in die Fahrzeuge der neuen Generation, sagt Leon. BMW hat den frei gewordenen Platz genutzt und im Siebener an die Stelle eine großzügige Ablage gebaut.

In Zukunft dürften nicht nur Besitzer von Oberklasseautos von der Innovation profitieren. Siemens VDO beabsichtigt, bis zum Jahr 2005 mindestens zehn weitere Fahrzeuge mit der neuen Bremstechnik auszurüsten – laut Sprecher Winterhagen bis in die untere Mittelklasse hinein. Continental plant bis Mitte 2005 bereits die zweite Modellgeneration zu präsentieren: „Ziel ist es, sie kostengünstiger zu gestalten, um eine schnellere Marktdurchdringung zu erreichen“, sagt Leon. Und auch die Autobauer zeigen sich durchweg aufgeschlossen. „Wir können uns die elektrische Parkbremse in weiteren Modellen vorstellen“, sagt Audi-Sprecher Udo Rügheimer.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%