Indien
Forscher erkunden riesiges Bernsteinvorkommen

Nicht nur in der Ostsee gibt es Bernstein: Wissenschaftler der Universität Bonn untersuchen seit etwa zwei Jahren zusammen mit Kollegen aus Indien und den USA Bernsteinfunde aus dem Nordwesten Indiens. Es könnte sich um einen der größten Bernsteinfunde aller Zeiten handeln. Der Fund wirft außerdem ein neues Licht auf die indische Geschichte.
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HB BONN. Mittlerweile schließen die Wissenschaftler nach Angaben der Bonner Universität vom Montag nicht mehr aus, dass es sich um bei dem Bernsteinfunde aus dem Nordwesten Indiens um eines der größten bisher entdeckten Bernsteinvorkommen weltweit handelt. In den rund 50 Mio. Jahre alten braunen Brocken haben die Wissenschaftler bislang mehr als 700 Gliederfüßler aus 55 verschiedenen Tierfamilien gefunden.

Die Einschlüsse werfen ein neues Licht auf die Geschichte des indischen Subkontinents. Denn die Insektenfossilien deuten nach Ansicht der Wissenschaftler daraufhin, dass der Kontinent längst nicht solange isoliert war, wie bisher angenommen. Bisher gingen die Forscher davon aus, dass der indische Subkontinent vor 160 Mio. Jahren von der ostafrikanischen Landmasse "abbrach" und dann durch die Weltmeere driftete, bis er vor 50 Mio. Jahren mit Asien zusammenstieß.

Eine solche Zeit der Isolation müsste ausgereicht haben, um eine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt entstehen zu lassen. Die Bernsteineinschlüsse geben Auskunft darüber, wie das Leben in Indien kurz vor dem Zusammenstoß aussah. So wären viele Tierarten zu erwarten gewesen, die es anderswo nicht gibt.

Die Forschungen ergaben jetzt aber, dass ähnliche Insektenfossilien auch in Europa oder gar in Mittelamerika gefunden wurden. "Das spricht dafür, dass es schon lange vor der Entstehung des Bernsteins einen regen Artenaustausch gegeben hat", sagt der Bonner Paläontologe Prof. Jes Rust. Es habe möglicherweise an der Grenze zwischen den Kontinentalplatten lange Ketten vulkanischer Inseln gegeben. Durch Insel-Hopping könnten sich so die Insektenarten in Indien und dem damaligen Asien vermischt haben - schon viele Mio. Jahre vor dem großen Crash.

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