Individuelle Behandlung: Gentests erleichtern die Krebstherapie

Individuelle Behandlung
Gentests erleichtern die Krebstherapie

Brustkrebs kann durch Mammographie-Screeningprogramme zunehmend bereits in frühen Stadien diagnostiziert werden. Diese Entwicklung ist erfreulich, da die Krankheit dann meist noch gut behandelbar ist. Allerdings wirft die Früherkennung auch neue Fragen auf.

BERLIN. Immer mehr Patientinnen stehen vor der Entscheidung, ob für sie nach erfolgter Operation und Bestrahlung auch noch eine Chemotherapie notwendig ist oder ob sie darauf verzichten sollen. Da es jedoch schwierig ist, die Fälle herauszupicken, bei denen die radikale Krebsbekämpfung überflüssig wäre, empfehlen Ärzte häufig, auf Nummer Sicher zu gehen – mit allen unangenehmen Begleiterscheinungen wie Müdigkeit, Übelkeit und Schmerzen für die Patientinnen.

Gentests sollen bei individuellen Therapieentscheidungen künftig eine größere Sicherheit bieten. Anhand der DNS des Tumorgewebes, das bei einer Biopsie entnommen wurde, können Onkologen entscheiden, ob die Patientin von einer Chemotherapie profitieren kann – oder nicht. Erste Hersteller dieser genetischen Nachweisverfahren haben ihre Produkte auf dem Markt und bewerben sie zum Teil massiv. Experten sind sich jedoch einig: Die Verlässlichkeit der Tests ist noch nicht erwiesen.

Bislang beurteilen Ärzte die Aggressivität eines Tumors anhand von klinischen Kriterien. Neben dem Alter der Patientin werden vor allem mikroskopische Befunde und das Vorhandensein bestimmter Rezeptoren für Hormone und Wachstumsfaktoren herangezogen. Die Erfahrung des Mediziners spielt bei der Einschätzung eine große Rolle.

Das soll sich mit den Gentests ändern. Die Ärzte und Patientinnen erhalten nach Aussagen des niederländischen Herstellers Agendia eine klare Antwort, ob das Risiko des Wiederauftretens der Krankheit hoch oder niedrig ist. Der sogenannte Mammaprint des Herstellers analysiert dazu 70 Gene, die im Zusammenhang mit Brustkrebs stehen. Die Firma wirbt mit knapp 6 000 erfolgreich durchgeführten Tests.

Ebenfalls auf dem Markt erhältlich ist der Oncotype genannte Test von Genomic Health. Er klassifiziert den Brustkrebs anhand der Analyse von 21 Genen. Der Hersteller hat nach eigenen Angaben schon rund 40 000 Stück verkauft.

Onkologen in Deutschland sind bislang jedoch zurückhaltend. Sie halten den Einsatz der Tests für fragwürdig. „Bislang gibt es keine unabhängigen Studien, in der die Genauigkeit der Tests überprüft wurde“, sagt Thomas Decker, auf Brustkrebs spezialisierter Pathologe an der Universität Münster. Die Gentests sollten seiner Meinung nach vorerst nicht außerhalb von Studien angewendet werden.

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