Industrieausrüster vor radikalem Umbruch
Wie im Film

Der Kostendruck der Globalisierung treibt die Umsätze mit intelligenter Automatisierungstechnik zu neuen Rekorden. Deutsche Hersteller profitieren besonders stark. Die Exportquote stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich auf aktuell 71 Prozent.
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DÜSSELDORF. Sie schütteln der Bundeskanzlerin die Hand, sie spielen Fußball oder mimen Bello, den Hofhund. Sie reinigen Hallen, bedienen Krankenhauspatienten oder rütteln Kirmesbesucher durch. Roboter und Handhabungsautomaten können fast alles und erobern Schritt für Schritt die Montagehallen dieser Welt - ganz gleich, in welcher Branche.

Die Industrieausrüster stehen vor einem radikalen Umbruch. Einst auf Gedeih und Verderb von der Automobilindustrie abhängig, strampelt sich die Branche zunehmend davon frei und erobert neue Geschäftsfelder. Gleichzeitig erschließen Techniken wie Bildverarbeitung, Sensorik und die Entwicklung von Robotern, die Hand in Hand mit Menschen arbeiten, immer mehr Anwendungsgebiete. Neue Technik, neue Kunden und die robuste Konjunktur: Für die Roboterbauer sieht die Welt zunehmend rosig aus. "Die Zahl der Anwendungen nimmt stetig zu", sagt Thilo Brodtmann, Geschäftsführer des Fachverbandes Robotik und Automation beim deutschen Maschinenbauverband VDMA. Im vergangenen Jahr hatten die Industrieausrüster bereits um sechs Prozent zugelegt; im laufenden Jahr erwarten sie sogar acht Prozent Zuwachs.

Es ist der enorme Kostendruck, angetrieben durch die Globalisierung, der die Unternehmen zwingt, massiv in intelligente Automatisierung zu investieren. Selbst China und Indien, wo Handarbeit fast nichts kostet, setzen mehr und mehr auf Technik, um bei den Qualitätsanforderungen mitzuhalten. Deutsche Anbieter von Antrieben, Steuerungen, Sensoren und Software gehören zu den Gewinnern der Globalisierung. Die Exportquote stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich und lag VDMA-Angaben zufolge im vergangenen Jahr etwa bei der Antriebstechnik schon bei 71 Prozent.

Große Hersteller wie Bosch Rexroth arbeiten an der Kapazitätsgrenze und schieben einen Auftragsüberhang vor sich her. Der Antriebs- und Steuerungsspezialist aus Lohr am Main steigerte seinen Umsatz 2006 gegenüber dem Vorjahr um 7,1 Prozent auf über 4,9 Milliarden Euro. Aus China gingen 33 Prozent mehr Aufträge ein.

Genauso optimistisch blickt der Siemens-Geschäftsbereich Automation und Antriebe in die Zukunft, nach Selbsteinschätzung seines Chefs Helmut Gierse "der größte und am schnellsten wachsende Automatisierungsanbieter der Welt". Die Verkäufe der Münchner schossen 2006 im Vergleich zum Vorjahr von 9,8 auf gut 12,8 Milliarden Euro in die Höhe - ein Zuwachs von mehr als drei Milliarden Euro. Gierse erwartet, dass die Kunden in Zukunft weit stärker als in der Vergangenheit "komplette Lösungen aus einer Hand verlangen". Siemens hat sich dafür Anfang des Jahres mit dem Kauf von UGS (Unigraphics Solutions) gerüstet. Die Texaner sind der weltweit führende Anbieter von Software, deren Datenbasis ein Produkt oder eine Produktionsanlage über ihren Lebensweg hin begleitet, im Fachjargon Product Lifecycle Management (PLM) genannt. Der Kaufpreis betrug 3,5 Milliarden Dollar. "Wir beherrschen jetzt die gesamte Wertschöpfungskette", freut sich Gierse.

Eine aktuelle Untersuchung des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), erstellt mit dem Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT), nennt als weiteren Trend die intuitive und sichere Bedienung der komplexen Systeme und das Schaffen offener Standards, damit eine durchgehende Automatisierung möglich wird - von der Steuerung einzelner Maschinen bis zur Planung der Tagesproduktion. Bei der Datenübertragung gewinnen drahtlose Systeme wie RFID-Funketiketten an Boden; neue Produkte und Anlagen werden künftig erst einmal ausführlich im Computer erprobt.

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