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Infektionskrankheiten breiten sich aus

Infektionskrankheiten werden sich nach Überzeugung von Experten weltweit weiter ausbreiten. Schon wegen der vielen Fernreisenden könnten Erreger global auftreten, sagte der Virologe Prof. Herbert Schmitz vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin bei einem Kongress in der Hansestadt.

dpa HAMBURG. Infektionskrankheiten werden sich nach Überzeugung von Experten weltweit weiter ausbreiten. Schon wegen der vielen Fernreisenden könnten Erreger global auftreten, sagte der Virologe Prof. Herbert Schmitz vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin bei einem Kongress in der Hansestadt.

Durch den zunehmenden Kontakt von Menschen mit Wildtieren kämen auch neue Bedrohungen wie das schwere akute Atemwegsyndrom Sars auf die Menschen zu. Dabei handele es sich nicht um völlig neue Erreger. Aber die Übertragung auf Menschen sei neu. „Wir können in Europa über die Flughäfen von diesen Infektionen bedroht werden“, sagte Schmitz.

Der Professor bemängelte, dass vielen Ärzten in Deutschland eine fundierte Tropen-Ausbildung fehle. Nicht nur Malaria werde häufig übersehen. „An Tollwut denkt hier keiner mehr.“ Die Möglichkeit von Tropenerkrankungen sollte angesichts der vielen Fernreisen mehr in das Bewusstsein der Ärzte rücken, sagte Schmitz.

Kongresspräsident Prof. Emil Reisinger von der Universität Rostock wies darauf hin, dass Tropen- und Infektionskrankheiten weltweit die mit Abstand häufigste Todesursache sind. Mit 41 Prozent liegen sie deutlich vor Herz-Kreislauferkrankungen (20 Prozent). Unter den Infektionskrankheiten domieren Lungenentzündungen mit elf Prozent aller Todesfälle vor Tuberkulose (9 Prozent) und Durchfallerkrankungen (7 Prozent). Ein zunehmendes Problem seien Resistenzen der Erreger gegen Medikamente. „Je mehr Medikamente wir haben, desto mehr Resistenzen entstehen.“

Rund ein Drittel der Weltbevölkerung ist nach Schätzungen mit Tuberkulose infiziert, berichtete Reisinger, der seit 2001 Präsident der deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und internationale Gesundheit ist. Bis 2020 wird mit einer Milliarde Neuinfektionen und 36 Mill. Toten gerechnet. In Deutschland traten im Jahr 2004 knapp 6 600 Neuerkrankungen auf. Weltweit waren im Jahr 2000 die Erreger in rund 3,2 Prozent der Tuberkulosefälle multiresistent, also mit mindestens zwei gängigen Medikamenten wie Isoniazid oder Rifampicin nicht mehr zu bekämpfen.

Tuberkulose hat nach Reisingers Angaben seit dem Auftreten des Aids-Erregers HIV stark zugenommen. Bei HIV-Infizierten liegt wegen des geschwächten Immunsystems das Risiko einer aktiven Tuberkulose- Erkrankung um den Faktor sechs bis 100 höher als bei HIV-negativen Personen. Stark gefährdet seien auch alkoholabhängige Menschen.

Der zweitägige Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin wird von zwölf medizinische Fachgesellschaften zum Beispiel für Infektiologie, Tropenmedizin oder Chemotherapie veranstaltet.

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