Infineon rechnet mit hoher Nachfrage
Neuer Chip macht Navigationsgeräte leistungsfähiger und schneller

Die Zeit der Landkarten und Stadtführer neigt sich dem Ende zu. Immer öfter greifen Reisende heute zu elektronischen Führern mit Satellitenverbindung. Künftig werden es die Nutzer solcher Hilfsmittel noch einfacher haben, ihr Ziel zu erreichen oder etwas über Sehenswürdigkeiten herauszufinden.

MÜNCHEN. Neue Chips machen die Navigationsgeräte nicht nur schneller, sie werden auch leistungsfähiger und brauchen weniger Strom. „Hammerhead II“ nennt der Münchener Halbleiterhersteller Infineon selbstbewusst seinen neuen Chip, mit dem die Satellitennavigation wesentlich komfortabler werden soll. Der Chip ist mit einer Grundfläche von 13 Quadratmillimetern winzig klein. Sein Vorgänger „Hammerhead I“, wie ihn der Navigationsgeräte-Hersteller TomTom einsetzt, ist noch doppelt so groß.

Damit wird es auf einmal möglich, den Chip nicht nur in den noch etwas klobigen Navigationsgeräten zu nutzen, sondern auch in Handys. Das heißt: Die herkömmlichen Mobiltelefone können jetzt die Navigation übernehmen. Selbst Armbanduhren sind potenzielle Einsatzorte für die Halbleiter.

Doch das ist noch nicht alles. Der „Hammerhead II“ reagiert auch wesentlich schneller als herkömmliche Navigationsgeräte. Das liegt daran, dass der Chip auf dem so genannten A-GPS basiert, einer besonderen Form des Satelliten-Navigationssystems GPS. Diese hat den Vorteil, dass sie die Verbindung zwischen Endgerät und Satellit wesentlich zügiger aufbaut als bislang.

Die Verbindung in All wird benötigt, um den Ort zu bestimmen, an dem sich der Nutzer befindet. „Statt in einer halben Minute ist der erste Kontakt zum Satelliten in zwei, drei Sekunden da“, sagt Infineon-Manager Andreas Hofmann. Das liegt daran, dass das Navigationsgerät als erstes nicht eine Verbindung mit den Satelliten aufgebaut wird, sondern mit der Basisstation eines Mobilfunkanbieters. Diese wiederum ist verbunden mit Großrechnern, die permanent in Kontakt mit den Satelliten stehen.

Das Tempo ist wichtig, weil dadurch weniger Strom verbraucht wird. Damit laufen die Geräte länger und die Akkus gehen nicht so schnell kaputt. Dazu kommt, dass das System die Position auch dann bestimmen kann, wenn kein direkter Satellitenempfang gegeben ist. Das ist oft in Häuserschluchten der Fall oder im Inneren von Gebäuden.

Infineon hat den neuen Chip zusammen mit dem amerikanischen Halbleiterdesigner Global Locate entwickelt. Eine ganze Reihe namhafter Chiphersteller hat das Design jetzt schon übernommen.

Wie wichtig den Deutschen die mobile Navigation ist, zeigen die jüngsten Marktzahlen. Vergangenes Jahr gingen nach Berechnungen des Branchenverbands Bitkom 3,2 Mill. tragbare Navis über die Ladentheken. Das ist ein Plus von 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Umsatz kletterte um etwa 40 Prozent auf knapp eine Mrd. Euro. Infineon geht davon aus, dass die Chips in großen Stückzahlen in der zweiten Jahreshälfte in die Geräte eingebaut werden. Welche Anbieter die Halbleiter nutzen, will das Unternehmen nicht sagen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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