Innovation
Roboter sucht Spielfreunde

In den Schaufenstern zweibeinige Roboter, auf den Straßen Hybrid-Fahrzeuge: Japan ist das Land der Zukunftstechnik. Nirgendwo sonst werden mehr Patente angemeldet als im Partnerland der diesjährigen Hannover-Messe. Doch es hakt bei der globalen Vermarktung der Produkte.

TOKIO. Wer Japans Hauptstadt Tokio besucht, kommt in eine Welt voller Zukunftstechnik: In Schaufenstern stehen zweibeinige Roboter, die Geige spielen und Tee servieren können. Kleingeld wird knapp, weil die Japaner mit einer elektronischen Geldbörse im Handy bezahlen. Vorbeifahrende, kleine Lieferlastwagen tragen alle das Logo von Hybridfahrzeugen.

Japan ist Partnerland der diesjährigen Hannover-Messe. Japaner gelten als hochgradig technikverspielt, die neuesten Innovationen kommen meist zuerst auf der Insel auf den Markt. Keine Frage: Das Land steht im Ruf, führender High-Tech-Standort zu sein. Statistiken bestätigen zunächst die Beobachtungen. Im Innovations-Scoreboard der EU, das Innovationsleistungen vergleicht, steht Japan vor Deutschland, Großbritannien und den USA. Das Land gibt zudem weltweit den höchsten Teil seiner Wirtschaftsleistung für Forschung und Entwicklung aus und ist Patentweltmeister.

Doch bei näherem Hinsehen steht Japan bei weitem nicht so stark da, wie es scheint. „Das Land ist in vielen Bereichen Technologieführer, doch bei der internationalen Vermarktung hapert es“, sagt Martin Schulz vom renommierten Fuji-tsu-Forschungsinstitut in Tokio. „Viele Entwicklungen bleiben auf der Insel.“ Auch gelänge es meist nicht, durch die Innovationen eine höhere Produktivität zu erzeugen, so Schulz.

Denn: Viele Innovationen landen in verspielten Konsumprodukten. Sie kurbeln die langfristige Wirtschaftsleistung kaum an. Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist zudem die Rendite auf die Forschungsausgaben gering. Etwa bei menschenähnlichen Robotern: Zwar sind die Leistungen der mechanischen Zweibeiner aus Nippon unschlagbar, doch kein Unternehmen verdient damit Geld.

Auf der Hannover–Messe zeigt die Firma Kawada Industries den Roboter HRP-2, der laufen und Gegenstände anheben kann. Das Projekt ist gefördert von der staatlichen New Energy und International Technology Development Organization (Nedo). Doch die Vermarktung dürfte schwierig werden: Bei solchen Produkten könnten die hohen Entwicklungskosten kaum durch vertretbare Preise wieder reingeholt werden, sagt Schulz.

Genau dies ist Sony passiert. Der Elektronikkonzern wollte mit dem Roboterhündchen Aibo Geld verdienen – und scheiterte an der Umlage der hohen Kosten. Das Technik-Tier ist längst wieder aus den Läden verschwunden.

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