Innovative Brillen Den Blick geschärft

Brillenverkäufer haben es nicht leicht: Jeder dritte Kunde ließ sich im Vorjahr neue Gläser einfach in die alte Fassung montieren. Modische Gestelle ziehen bei den meisten Deutschen nicht. Trotzdem könnte Bewegung in die Optikergeschäfte kommen – eine Reihe von Innovationen zielt direkt auf den Sehnerv.
  • Hans Schürmann
Optiker versuchen verstärkt, ihre Kunden für technische Innovationen zu begeistern. Foto: ap Quelle: ap

Optiker versuchen verstärkt, ihre Kunden für technische Innovationen zu begeistern. Foto: ap

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DÜSSELDORF. Mit neuen Methoden der Augenvermessung und präziseren Fertigungsverfahren macht die Glasindustrie verlockende Versprechen: Träger der neuen Brillen sehen nicht nur schärfer und kontrastreicher, sondern nehmen auch Farben brillanter wahr. Das könnte ziehen.

Glashersteller Carl Zeiss Vision hat eine Messmethode entwickelt, mit der Optiker die Sehleistung ihrer Kundschaft bis auf ein Hundertstel Dioptrien genau ermitteln können. Bisherige Geräte schaffen nur ein Fünfundzwanzigstel Dioptrien. Der Vorteil liegt auf der Hand: „Der Kunde bekommt eine Brille, die noch besser an seine individuelle Sehleistung angepasst ist“, sagt Maik Hartung, Marketingleiter bei dem Aalener Brillenglashersteller.

Zwar trägt in Deutschland heute schon fast jeder zweite eine Brille – insgesamt rund 42 Millionen Menschen. Doch die Interessenvertreter der Augenoptiker sind nicht sonderlich zufrieden: „Nach wie vor liegen die Umsätze unter dem Branchenumsatz vor der Streichung der gesetzlichen Krankenversicherungs-Zuschüsse im Januar 2004“, sagt der Präsident des Zentralverbands der Augenoptiker, Thomas Nosch. Immerhin gab es im Jahr 2007 einen leichten Aufwärtstrend: Die Umsätze stiegen um rund drei Prozent auf etwas mehr als drei Mrd. Euro.

Lange Zeit bestand die Hoffnung der Branche darin, den Kunden die Brille als modisches Assessoire schmackhaft machen zu können. Damit sei man gescheitert, räumt Nosch ein. Einfacher sei es, die Kunden für technische Innovationen zu begeistern. Mit neu entwickelten Geräten zu Vermessung der Augen, einer präziseren Fertigung und mit Hilfen für einen genaueren Einbau der Gläser sei ein Fortschritt hin zu einer höheren Sehschärfe erzielt worden.

„Vor allem mittelständische Augenoptiker nutzen die Chance, sich mit individuell auf den Kunden zu geschnittenen Brillengläsern von Filialisten wie Fielmann oder Apollo Optik zu unterscheiden“, sagt der Verbandspräsident. Kunden kleinerer Läden seien eher bereit, die aufwendigere Beratung zu honorieren.

Die hochgenaue Vermessung der Augen dauert wesentlich länger als herkömmliche Methoden. Das sogenannte I-Profiler-Verfahren von Zeiss beispielsweise kombiniert die klassische subjektive Brillenglasbestimmung und einer sogenannten Wellenfront-Messung. Es vermisst die Augen unabhängig voneinander und auch – wie beim Sehen in der Dunkelheit – bei erweiterter Pupille. Dabei werden auch individuelle Augen-Merkmale bestimmt, die das Sehen bei ungünstigen Beleuchtungsverhältnissen beeinflussen.

„Der Aufwand lohnt sich“, sagt der Marketingleiter von Carl Zeiss Vision. Mit den Zusatzinformationen könnten Brillengläser erstmals so auf die Bedürfnisse des Kunden abgestimmt werden, dass dieser vor allem in der Dämmerung und Nacht deutlich besser sehen könne, so Maik Hartung. Da es sich bei I-Scription um ein mathematisches Optimierungsverfahren für die Produktion handelt, kann der Optiker es den Kunden ähnlich wie eine Entspiegelung als Extra verkaufen. Der Preis sei vergleichbar hoch, so Hartung.

Auch bei den Gleitsichtbrillen hat sich im Glas einiges getan. „Die Technologie kann man mit der von vor zehn Jahren gar nicht mehr vergleichen“, sagt Ellen Zimmermann vom Münchner Brillen-Hersteller Rodenstock. Diese Gläser seien mittlerweile so gut verträglich, dass auch damit auch langes, konzentriertes Bildschirmarbeiten gut zu bewältigen sei. „Neben Dioptrien und Zylinder fließen bei der Fertigung individualisierter Gleitsichtgläser eine Menge weiterer Parameter in die Berechnung ein“, so Zimmermann.

Bei der Produktion der Gläser können die Hersteller inzwischen auch persönliche Sehgewohnheiten berücksichtigen. „Das ist besonders praktisch für spezielle Gleitsichtbrillen für Bildschirmarbeitsplätze“, sagt Wolfgang Wesemann, Leiter der Höheren Fachschule für Augenoptik in Köln. Im herkömmlichen Gleitsichtglas gibt es große Zonen für den Nahbereich und große Zonen für die Ferne. Hingegen fällt der für das Arbeiten am Computer wichtige mittlere Sehbereich relativ schmal aus. Beim Glas für die PC-Arbeit liegt der Schwerpunkt auf der Kurz- und Mitteldistanz. „Das ist optimal für den Augenabstand zur Tastatur und den Computerbildschirm“, so Wesemann.

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