Innovative Flüssigkristalle ebnen Flachbildschirmen den Weg in die TV-Welt
Neue Moleküle für bewegte Bilder

Ein Forscherteam der Chemie- und Pharmafirma Merck entwickelt innovative Flüssigkristalle und ebnet damit Flachbildschirmen den Weg in die TV-Welt. Für diese Leistung sind die Merck-Entwickler in diesem Jahr für den Zukunftspreis nominiert worden, der von Bundespräsident Rau verliehen wird.

HANDELSBLATT, 21.10.2003 FRANKFURT/M.

In der Computerwelt sind sie längst Standard. Doch nun schicken sich die modernen, flachen Flüssigkristall-Bildschirme an, auch die Fernsehwelt zu erobern. Wenn Industrie-Experten und Marktforscher recht behalten, werden sie sich in den kommenden Jahren rapide durchsetzen und damit nach mehr als fünf Jahrzehnten die Dominanz der klassischen Kathodenstrahlröhre - kurz auch Bildröhre genannt - beenden.

Maßgeblichen Anteil an der Zeitenwende in den Fernsehstuben haben die Wissenschaftler Kazuaki Tarumi, Melanie Klasen-Memmer und Matthias Bremer. Denn erst die von ihnen beim Chemie- und Pharmaunternehmen Merck entwickelte "Vertical-Alignment-Technik", kurz VA-Technik, war es, die den Flachbildschirmen den Weg ins Fernsehgeschäft ebnete. Eine Leistung, für die die Darmstädter Forscher-Gruppe nun als einer von vier Kandidaten für den deutschen Zukunftspreis 2003 nominiert wurde.

Der Weg vom Laptop zum Fernseher erscheint dabei auf den ersten Blick nicht besonders weit. Doch die höheren Anforderungen der TV-Technologie im Hinblick auf Kontrast, Reaktionsgeschwindigkeit und Blickwinkel bildeten lange Zeit eine unüberwindbare Hürde für die Flüssigkristallbildschirme (Liquid Cristal Displays, LCDs).

Flüssigkristalle zeichnen sich dadurch aus, dass sie gleichermaßen Eigenschaften von Flüssigkeiten wie auch von Kristallen aufweisen. Jahrzehntelang blieben die stabförmigen Moleküle weitgehend unbeachtet, ehe in den 60er-Jahren ihr Nutzen in der Computertechnik sichtbar wurde. Das Grundprinzip besteht darin, dass sich die Flüssigkristalle unter elektrischer Spannung einheitlich ausrichten. Eingepresst zwischen zwei Glasscheiben und gesteuert von einer Vielzahl kleiner Transistoren können sie so entweder viel oder wenig Licht durchlassen. In den 80er- und 90er- Jahren stetig weiterentwickelt, entstanden aus der LCD-Technik schließlich die modernen flachen Computerbildschirme. Ein Handicap der neuen Displays blieb indessen die Tatsache, dass ein hoher Kontrast des Bildes nur bei senkrechtem Blickwinkel gewährleistet war. Zudem waren die Schaltzeiten für die LCD-Zellen zu langsam, um schnell bewegte Bilder darzustellen. Für das Medium Fernsehen waren sie damit lange Zeit nicht konkurrenzfähig.

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