Innovative Unternehmen
Pfadfinder im Krebs-Labyrinth

Das kalifornische Unternehmen Genentech hat die Krebsbehandlung revolutioniert. Zum einen durch den Einsatz von Antikörpern als Medikament. Zum anderen mit dem Konzept der zielgerichteten Krebstherapie, die auf Behandlung von Gendeffekten als Ursache der Krankheit setzt.

FRANKFURT. Paradigmenwechsel in Medizin und Arzneimittelgeschäft vollziehen sich mitunter im Stillen. Vor allem benötigen eine lange Reifezeit. Eine Geschichte über den revolutionären Einfluss der Firma Genentech auf die Arzneimittelindustrie muss daher fast ein Vierteljahrhundert zurückblicken, in die frühen 80er Jahre.

Seine ersten Schlagzeilen hatte das kalifornische Unternehmen zu diesem Zeitpunkt bereits geschrieben, mit der gentechnisch Produktion von Insulin und Wachstumshormonen sowie einem spektakulär erfolgreichen Börsengang. Aber der Ehrgeiz von Genentech-Wissenschaftlern wie dem deutschen Forscher Axel Ulrich war damit nicht gestillt. Ulrich, der bereits das Insulin-Gen geklont hatte, stürzte sich auf die Analyse von Wachstumsfaktoren und deren mögliche Rolle bei der Krebsentstehung. Eher zufällig entdeckte er dabei das Gen für ein bis dahin noch unbekanntes Rezeptor-Molekül, das auf der Oberfläche von Zellen an der biochemische Signalübermittlung beteiligt ist.

Erst etwa fünf Jahre später gelang der Nachweis, dass eine genetisch bedingte Überproduktion dieses so genannten HER2-Rezeptors für eine besonders aggressive Form von Brustkrebs verantwortlich ist. Tierversuche mit einem Antikörper gegen den HER2-Rezeptor folgten Anfang der 90er Jahre. Im Dezember 1998 schließlich erhielt dieser Wirkstoff unter dem Handelsnamen Herceptin seine erste Zulassung, für die „Zweit- und Drittlinienbehandlung von Patienten mit metastasiertem Brustkrebs“. Und es dauerte noch einmal weitere sieben Jahre, ehe das amerikanische National Cancer Institute (NCI) zeigte, dass Herceptin bei Brustkrebs im Frühstadium das Rückfall-Risiko für betroffene Patientinnen um etwa die Hälfte reduziert – ein Ergebnis, das NCI-Direktor Andrew von Eschenbach als Wendepunkt in der Krebstherapie und als „maßgeblichen Fortschritt für tausende von Frauen mit Brustkrebs“ klassifizierte.

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