Institut definiert Bewertungskriterien neu
Hersteller von Asthma-Medikament hoffen auf zweite Chance

Seit Monaten rumort es in der Pharmaindustrie. Der Unmut gilt dem Kölner Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, kurz: Iqwig. Als unabhängige Instanz soll es Therapien auf ihren Nutzen prüfen.

BERLIN. Die Untersuchungen sind durchaus brisant, denn das Institut stellt immer wieder den Nutzen von Arzneien in Frage. Im Anschluss an die Gesundheitsreform muss es jetzt seine Methoden überarbeiten.

Keinen Zusatznutzen bieten laut Iqwig zum Beispiel kurz wirksame Insulinanaloga bei Diabetes. Ebenso wenig profitierten Zuckerkranke von einem Insulinpulver zum Einatmen. Das jüngste Urteil dieser Art richtet über Medikamente gegen Asthma. Ein Inhalator mit Kortison und Beta-Mimetika ist nicht besser als die getrennte Einnahme der beiden Wirkstoffe, stellt das Iqwig in seinem Vorbericht fest. Und das, obwohl die Asthma-Kombinationen in der „Nationalen Versorgungsleitlinie Asthma“ ausdrücklich empfohlen werden. Der Protest der Ärzte und Hersteller ist vorprogrammiert.

Vor allem auch, weil die Urteile des Iqwig weit reichende Folgen haben. Das Institut wurde 2004 gegründet, um die Kosten im Gesundheitswesen zu drücken. Auf Basis der Gutachten entscheidet der gemeinsame Bundesausschuss, ob die Medikamente von den gesetzlichen Kassen noch bezahlt werden. Eine Arznei, die laut Iqwig nicht mehr nützt als Alternativprodukte, darf auch nicht mehr kosten, sonst hat sie im Ausschuss schlechte Karten.

Danach bestünde allerdings bei den Herstellern der Asthma-Kombinationen gar kein Grund zur Aufregung. Denn, die Kombi-Produkte Symbicort, Viani und Atmadisc sind sogar preiswerter als die Einzelkomponenten. „Das kehrt sich erst um, wenn man bei den Einzelkomponenten nicht die Originalarzneien nimmt, sondern preiswertere Kopien, so genannte Generika“, sagt der Mediziner Heinrich Worth von der Deutschen Atemwegsliga. Hinter vorgehaltener Hand fürchten Hersteller und Verbände deshalb, dass die Kassen am Ende nur noch die Generika erstatten.

Die offizielle Kritik der Verbände und Firmen, aber auch von Universitäten richtet sich gegen die Methoden des Iqwig: Dieses berücksichtigt bislang bei der Auswertung nur Studien mit harten Endpunkten. Wie viele Patienten mit einem Medikament A im Vergleich zu B sterben, ist eines dieser harten Kriterien. Ob ein Asthmatiker ein Medikament leichter einnehmen kann, spielt dagegen keine Rolle. Ebenso wenig wird berücksichtigt, ob die Patienten den Kombi-Inhalatoren eher treu bleiben als den Einzelarzneien. „Das ist kein harter Endpunkt, aber es ist für den behandelnden Arzt sehr wichtig“, sagt Worth.

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