Intelligente Fahrassistenzsysteme
EU will den Verkehr sicherer machen

Vor dem Einschlafen warnen, bei Schlingern eingreifen, beim Bremsen helfen: In einem von der EU unterstützten Projekt arbeiten mehr als 50 Partner aus Industrie und Forschung an intelligenten Fahrassistenzsystemen, die den Verkehr sicherer machen und Unfälle vermeiden sollen.

ap VERSAILLES. Mit 50 Kilometern in der Stunde folgt der 5er BMW einem anderen Fahrzeug über die Piste. Plötzlich schert der erste Wagen aus, ein Dummy taucht auf der Strecke auf. Der Fahrer hat keine Reaktionsmöglichkeit mehr. Doch wie von Geisterhand macht der BMW eine Vollbremsung und kommt mit quietschenden Reifen wenige Zentimeter vor dem Pappkameraden zum Stehen. Das autonome Bremssystem der BMW-Forschungsgruppe gehört zu einem von 13 Teilprojekten der Prevent-Initiative, die bis zum Samstag auf einer Schau in Versailles erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Prevent wurde 2004 mit Unterstützung der EU gestartet und ist das bislang größte integrierte Projekt in Europa, in dem mehr als 50 Partner aus Industrie und Forschung gemeinsam an so genannten intelligenten Fahrassistenzsystemen arbeiten. Bis zum Autopiloten wie im Flugzeug wird es im Straßenverkehr nicht kommen. Die Prevent-Partner versuchen aber, Komponenten für einen High-Tech-Kopiloten zu entwickeln, der vor dem Einschlafen warnen kann, bei Schlingern eingreift oder beim Bremsen hilft.

Brüssel steuert 29,8 der insgesamt 55 Mill. Euro bei. So will die EU zum Erreichen ihres Zieles beisteuern, die Zahl der Verkehrstoten bis 2010 gegenüber 2001 zu halbieren. „Wir müssen die Umsetzung und Einführung der Techniken beschleunigen, um Leben zu retten“, sagte EU-Kommissarin Viviane Reding bei Eröffnung der Ausstellung.

Die automatische Notbremse von BMW ist noch in der Forschungsphase, auch wenn der Testwagen schon funktioniert. Das Konzept: Mit Radar, Laser- und Infrarotkameras wird die Umwelt vor dem Wagen gescannt. Das System kann Fußgänger und Fahrzeuge erkennen. Die Software berechnet die Kollisionswahrscheinlichkeit, wartet mit der Bremsauslösung aber, bis der Crash unvermeidbar wäre, damit der Fahrer die Möglichkeit zum Ausweichen behält.

„Der Mensch braucht eine Sekunde zum reagieren, der Computer ist eine halbe Sekunde schneller“, erklärt Thorsten Sohnke von Bosch. Auch wenn nicht alle Zusammenstöße dadurch verhindert werden, kann die Aufschlaggeschwindigkeit erheblich gesenkt werden. Sohnke schätzt, dass es keine zehn Jahre mehr bis zu Einführung der autonomen Bremse dauert. Das größte Problem seien derzeit die Kosten.

Einen anderen Weg der Unfallvermeidung entwickelt Daimler–Chrysler im Willwarn-Projekt, bei dem sich die Fahrzeuge gegenseitig warnen. Ein Großteil der Fahrzeugflotte sei bereits mit Sensoren ausgerüstet, die Nebel, Glätte oder Unfallstellen erkennen. „Der nächste Schritt ist, die Informationen an die anderen Verkehrsteilnehmer zu übermitteln“, sagt Projektleiter Gerhard Noecker.

Die Technik für eine Datenübertragung per Funk ist vorhanden. Das Problem: Die Sprache muss standardisiert werden, damit ein Mercedes künftig auch mit einem BMW oder Fiat kommunizieren kann. Für 2010 erwartet Noecker die Frequenzzulassung. „Spätestens 2015 können die Fahrzeuge mit dem System ausgerüstet werden.“

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