Internationaler Forschungsreaktor
Langes Warten auf die Fusionsenergie

Der internationale Forschungsreaktor Iter wird wohl doch nicht so schnell Ergebnisse liefern, wie die beteiligten Wissenschaftler es sich erhofft hatten. Warum der Bau des ambitiösen Projektes zunehmend ins Stocken gerät.
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DÜSSELDORF. Iter, der internationale Versuchsreaktor, der die Nutzung der Kernfusion zur Stromerzeugung vorbereiten soll, dürfte zunächst weniger ambitiös ausfallen, als die Physiker gehofft haben. Wie die Fachzeitschrift „Nature“ berichtet, wird voraussichtlich zunächst aufgrund wachsender Kosten (von einer Verdopplung der 2005 geplanten fünf Milliarden Euro ist die Rede) und Verzögerungen nur das Grundgerüst des Reaktors tatsächlich gebaut.

Darauf würden sich die Vertreter der Partnerländer (Europäische Union, Japan, Südkorea, Russland, USA, China und Indien) bei einem Treffen im japanischen Mito am 17. und 18. Juni nach Informationen von „Insidern“ wohl verständigen, um das Großprojekt nicht grundsätzlich zu gefährden, berichtet „Nature“. Dann könnte die Anlage zwar wie geplant 2018 in Betrieb gehen, aber die entscheidenden Fusionsversuche dürften nicht vor 2025 beginnen. Ursprünglich sollte Iter spätestens schon 2020 Ergebnisse liefern.

Der stellvertretende Iter-Direktor Norbert Holtkamp verteidigt den Plan, erst das Grundgerüst der Anlage zu bauen, da es vor dem Anlaufen der eigentlichen Experimente notwendig sei „zu wissen, ob die wichtigen Komponenten funktionieren. Es ist völlig klar, dass dies das richtige Vorgehen ist.“ Eine billigere und kleinere Anlage, da sind sich die Fusionsforscher offenbar einig, sei keine Alternative, da sie nicht die benötigten Antworten auf die Forschungsfragen liefern könne.

Iter ist das aufwendigste Fusionsexperiment aller Zeiten. Der Kern der Anlage, die in Cadarache in Südfrankreich errichtet wird, ist ein Gerät, das aussieht wie ein riesiger Donut, der sogenannte Tokamak. Mit Hilfe magnetischer Felder werden in ihm Wasserstoff-Atome unter enormen Druck gesetzt und bis auf rund 100 Millionen Grad Celsius erhitzt.

Die Atome sollen unter diesen Umständen fusionieren. Bei dieser Fusion, die in unkontrollierter Weise auch in Wasserstoff-Bomben stattfindet, werden Elektronen freigesetzt. Ihre Energie will man in einem komplexen Verfahren zur Stromerzeugung nutzen. Da normaler Wasserstoff nicht genug Fusionen ermöglicht, werden die Physiker besondere Varianten (Deuterium- und Tritium-Isotope) in den Tokamak einleiten. Die Fusionen beziehungsweise die durch sie freigesetzten Elektronen sollen dann rund zehnmal mehr Energie liefern, als zunächst investiert werden muss.

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