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Internationales Archäologenteam gräbt mittelalterliche Stadt aus

Rund 50 Archäologen aus Europa und Übersee graben seit Montag in den Ruinen der mittelalterlichen Stadt Nienover (Niedersachsen). Die um das Jahr 1 300 untergegangene Stadt nördlich von Uslar war 1993 von dem Archäologen Prof. Hans-Georg Stephan (Halle) wiederentdeckt worden.

dpa NORTHEIM. Rund 50 Archäologen aus Europa und Übersee graben seit Montag in den Ruinen der mittelalterlichen Stadt Nienover (Niedersachsen). Die um das Jahr 1 300 untergegangene Stadt nördlich von Uslar war 1993 von dem Archäologen Prof. Hans-Georg Stephan (Halle) wiederentdeckt worden.

Das Areal wurde in vorausgegangenen Grabungen der Universität Göttingen zu einem großen Teil bereits freigelegt. Nienover ist nach Ansicht Stephans „eine der bedeutendsten Neuentdeckungen der archäologischen Geländeforschung der letzten Jahre“.

Bisher wurden etwa 30 von rund 100 ehemals mit Holzschindeln gedeckten Lehm-Fachwerkhäusern ausgegraben. Sie sind bis zu 25 Meter lang. Auch einige der gepflasterten Straßen, Nebengebäude und Metallwerkstätten wurden freigelegt. Fundamente der Stadtkirche konnten auf dem mehrere tausend Quadratmeter großen Areal bisher noch nicht gefunden werden. Erwartungsvoll berichteten die Wissenschaftler aus Japan, Polen, Tschechien und zahlreiche Studenten, sie hofften in den kommenden Wochen noch auf zahlreiche Überraschungen zu stoßen.

„Nach den bisherigen Funden können wir bereits davon ausgehen, dass Nienover von einer blühenden Metallindustrie lebte“, berichtete Stephan. Schmelzöfen für Eisen, Kupfer, Zinn, Zink und Bronze wurden in früheren Grabungen bereits freigelegt. Es seien Rüstungen, Lanzen und Schwerter für die Ritter und Glocken für die Kirchen produziert worden. Auch Silberschmuck oder Leuchter wurden hergestellt. Die nahe Weser sei die „Haupthandelsstraße“ für schwergewichtige Produkte wie Wagenreifen und -achsen oder Kriegsgut gewesen.

Die bisher gefundenen Silbermünzen beweisen Handelsbeziehungen bis nach England, an die Ostsee und in das Rheinland. Die Stadt sei um 1 190 gegründet und um 1 270 vermutlich bei Auseinandersetzungen mit den Welfen zerstört worden, sagte der Wissenschaftler. Zwischen 500 und 700 Menschen könnten rund um das 1 144 erstmals erwähnte Schloss Nienover gelebt haben, das bis in die letzten Jahre skandalumwittert war.

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