Internet an Bord hilft
Medizinische Betreuung über den Wolken

Das Internet an Bord der Flugzeuge sorgt künftig nicht nur für Kurzweil während der Langstreckenflüge, es ermöglicht auch eine bessere medizinische Betreuung der Fluggäste.

HB DÜSSELDORF. Die schnelle Datenleitung über Satellit kann für die Übertragung von medizinischen Daten genutzt werden, so dass Passagieren gezielter geholfen werden kann, die während des Fluges erkranken und eine ärztliche Betreuung benötigen. Die Deutsche Lufthansa hat während ihrer Testflüge im Frühjahr, auf denen die Stabilität der Internetverbindung ins Flugzeug erprobt wurde, zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt auch telemedizinische Anwendungen über die Datenleitungen getestet.

Die Satelliten stellen eine so große Übertragungskapazität zur Verfügung, dass Diagnosedaten, die im Flugzeug erfasst wurden, schnell an eine Bodenstation übermittelt werden können. So könnten mit Hilfe eines Diagnosekoffers die wichtigsten Vitalparameter eines Patienten, wie beispielsweise die Sauerstoffsättigung des Blutes, die Herzfrequenz oder ein Elektrokardiogramm, erfasst und an Ärzte in der Bodenstation gesendet werden. Die Mediziner können dann auf Grund der Daten eine Diagnose erstellen und dem Bordpersonal Tipps für eine Behandlung geben.

„Die Übertragung hat prima geklappt“, berichtet Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty, der bei einem der Testflüge an Bord war. Probleme gab es jedoch noch mit einzelnen medizinischen Geräten. Diese müssten nun noch für die Übertragung der Daten per Satellit optimiert werden. Aus diesem Grund könne die Telemedizin noch nicht gleich beim Start des Internetdienstes an Bord, der für Mitte nächsten Jahres vorgesehen ist, genutzt werden, sagt der Lufthansa- Sprecher.

Die Unterstützung des Lufthansa- Personals durch einen Notarzt am Boden ist jedoch nicht neu: Schon heute kann bei der Betreuung erkrankter Passagiere per Satellitentelefon ein Arzt am Boden zu Rate gezogen werden. Seit Frühjahr dieses Jahres arbeitet die Airline mit dem Medizindienstleister International SOS zusammen. Das Unternehmen, das sich auf die medizinische Betreuung von Firmen-Mitarbeitern im Ausland spezialisiert hat, bietet rund um die Uhr medizinische Beratung durch erfahrene Notärzte an, die bei der Deutschen Rettungsflugwacht in der Auslandsrückholung eingesetzt werden.

„Unser Bordpersonal ist medizinisch ausgebildet und ausgerüstet und wird regelmäßig geschult. Dennoch kann es manchmal zu Situationen kommen, in denen der Rat eines Arztes unabdinglich ist“, erläutert Uwe Stüben, Leiter des medizinischen Dienstes der Lufthansa. Der beratende Arzt ist über die medizinische Ausstattung an Bord der Lufthansa-Jets informiert und kann nach einer Schilderung der Symptome therapeutische Anweisungen an das Bordpersonal oder die im Flugzeug befindlichen Ärzte geben.

International SOS soll später auch die telemedizinische Betreuung der Lufthansa-Flüge übernehmen. „Die Beschreibung der Symptome per Telefon gibt dem Notarzt schon heute gute Hinweise, was dem Patienten fehlen könnte“, sagt Michael Weinlich, Medizinischer Direktor von International SOS in Deutschland. Die Telemedizin via Internet gebe nur eine zusätzliche Sicherheit für die Diagnose.

Die meisten Erkrankungen während eines Fluges sind leicht zu behandeln. Magen-Darm-Erkankungen, Kreislauf-Beschwerden oder Herzschmerzen zählen zu den häufigsten Beschwerden. Nur etwa 10 % der Erkrankungen seien so bedrohlich, dass Notärzte am Boden konsultiert werden müssen, sagt Weinlich.

Ganz selten kommt es vor, dass der Zustand des Patienten eine Ausweichlandung erforderlich macht. In diesem Fall versorgt International SOS die Lufthansa-Verkehrszentrale mit Informationen über die medizinische Versorgung an den nächstgelegenen Flughäfen.

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