Internet-Suchmaschinen
Japaner basteln an Gegen-Google

Nach Deutschland und Frankreich mit ihrem Projekt „Quaero“ will jetzt auch Japan eine staatlich geförderte Alternative zu den dominierenden Internet-Suchmaschinen Google und Yahoo aufbauen.

HB DÜSSELDORF. Eine Gruppe aus zwölf Unternehmen und Universitäten hat sich zusammengeschlossen, um in den kommenden drei Jahren ein neues System zu entwickeln. Die Mitglieder, zu denen auch der Telekomkonzern Nippon Telegraph & Telephone (NTT) und die Werbeagentur Dentsu zählen, wollen sich so ihren Anteil am rund 59 Mrd. Yen (405,3 Mill. Euro) schweren Online-Werbemarkt in Japan sichern. Die Regierung erhofft sich eine bessere Präsenz japanischer Kultur und Wissenschaft im Internet. Die Gruppe, die vom japanischen Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie an einen Verhandlungstisch gebracht wurde, hat vor, eine Technologie zu entwickeln, die die Suche nach geschriebenen oder gesprochenen Texten und Grafiken ermöglicht.

Außerdem will das „Information Voyage Project“ ein Suchsystem bereitstellen, das besser für die an Zeichen orientierten asiatischen Sprachen geeignet ist. Innerhalb von drei Jahren soll die neue Suchmaschine entwickelt werden. Ihr Quellcode werde frei zugänglich ins Internet gestellt, heißt es, sodass jeder ihn kostenfrei verwenden kann.

Weitere Mitglieder sind Hitachi, NEC, Fujitsu, Mizuho Corporate Bank und die Waseda University. Weitere 26 Organisationen, darunter IBM Japan, Sony, Matsushita Electric Industrial, Japan Broadcasting und Softbank, dürften sich dem Projekt anschließen, geht aus der Veröffentlichung der Gruppe hervor.

Zumindest bei Softbank könnte aber noch ein deutliches Fragezeichen davor stehen. Derzeit dominiert Softbank mit seiner Tochter Yahoo Japan den Suchmarkt in dem Land mit 53 Prozent Marktanteil. Erst dann kommt Google. Softbank hat sich zusammen mit der kürzlich übernommenen Mobiltelefon-Sparte von Vodafone zu einem integrierten Kommunikationskonzern entwickelt und würde sich mit dem neuen Projekt vor allem selbst Konkurrenz machen.

Insgesamt gibt es in Japan derzeit etwa 74 Mill. Internetnutzer. Der japanische Markt für Internetwerbung bei Suchvorgängen wird bis 2009 auf ein Volumen von 130 Mrd. Yen hochschnellen, erwartet Dentsu.

In Europa haben sich 2005 Unternehmen wie Thomson, France Telecom und Arvato zu Quaero zusammengeschlossen. Das deutsch-französische Gemeinschaftsprojekt soll ebenfalls eine Suchmaschine entwickeln. Dabei ist eines der Ziel auch, europäischer, nicht englisch-sprachiger Kultur stärkeres Gewicht durch bessere Präsenz bei Suchergebnissen zu verleihen. Allein Frankreich unterstütze Quaero mit 90 Mill. Euro, erklärte Präsident Jacques Chirac im April.

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