Internet
Surfen auf der Landstraße

Das Internet ist längst mobil. Fast überall kann man inzwischen per Mobilfunk oder WLan auf Informationen im Web zugreifen. Nur beim Autofahren oder auf dem Motorrad funktioniert das noch nicht. Jetzt haben Forscher des Smart-Web-Projekts die Antwort darauf gefunden, wie auch am Steuerrad gesurft werden kann.

DÜSSELDORF. Im Internet surfen und nebenher Auto fahren, das funktioniert noch nicht. Das Eintippen von Netzadressen oder Suchbegriffen während des Lenkens wäre zu gefährlich. Forscher des Smart-Web-Projekts haben nun die Antwort darauf gefunden, wie auch am Steuerrad gesurft werden kann. Sie haben eine Software entwickelt, die auf Sprache reagiert. Der Fahrer fragt sein Mobiltelefon einfach in Alltagssprache nach den Informationen. Auf die Frage „Wo gibt es in der Nähe einen Kinderarzt?“ etwa antwortet Smart-Web präzise „Dr. Bilger – 889 Meter“ und kann den Fahrer auf Wunsch per Navigationssystem sofort hinführen.

In dem dreijährigen Projekt haben 16 Partner aus Forschung und Industrie – darunter BMW, Daimler-Chrysler, Siemens VDO und T-Systems Nova – semantische Internet-Technologien entwickelt und mit einer Sprachmaschine verknüpft. „Die neue Technik ist eine Weltneuheit, die mehrere Internet-Dienste mit echten Sprachdialogen automatisch verbindet“, sagt Wolfgang Wahlster, Chef des Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und wissenschaftlicher Gesamtprojektleiter von Smart-Web. Mit elf Patentanmeldungen, acht Produktinnovationen und über 140 wissenschaftlichen Publikationen sei das Forschungsprojekt sehr erfolgreich gewesen, freut sich Wahlster. „Neben der Grundlagenforschung ist es gelungen, einzelne Techniken bis zur Marktreife zu entwickeln.“

Und es geht weiter: Die Smart-Web-Technik soll im Herbst erstmals in einem Praxistest im Rhein-Main-Gebiet genutzt werden, bei dem die Möglichkeiten der so genannte Car-to-Car-Kommunikation mit 200 Autos verschiedener Herstellern untersucht werden sollen. Da die Smart-Web-Technik auf Standard-Schnittstellen basiert, könne sie ohne Probleme in jedes Auto integriert werden, sagt Wahlster. „Bislang wurde die Technik in zwei, drei Fahrzeugen gleichzeitig genutzt. Wir sind gespannt, wie sie sich in einer Massenanwendung bewährt“, so der DFKI-Chef.

Im Mittelpunkt des Smart-Webs stand die Entwicklung einer so genannten semantischen Suchmaschine. Im Gegensatz zu Google liefert diese nicht eine Liste mit Fundstellen von Begriffen im Netz, sondern direkt die Antwort. „Lautet beispielsweise die Frage nach dem Umsatz von Siemens 2005 in Deutschland dann wird keine Linkliste angezeigt, sondern die Zahl aus der Tabelle im Geschäftsbericht herausgezogen und angezeigt“, erläutert Wahlster das Prinzip.

Mit dem Smart-Web-Projekt sei man dem Ziel einer einfach strukturierten Faktenanfragen schon recht nahe gekommen. Die Verknüpfung von mobilen Zugriffsdiensten mit semantischen Web-Suchdiensten sei inzwischen so weit entwickelt, dass sie bereits jetzt von Service-Providern als Plattform zur Einführung von Bezahldiensten genutzt werden könnte, sagt Wahlster. In dem Projekt habe man sich auf die Bereitstellung von Informationsdiensten konzentriert, die vor allem für Autofahrer interessant seien, wie Verkehrs- und Wetterdaten, Pannenhilfe, Nachrichten sowie Städteinformationen und Kinoprogramme.

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