ISS-Experiment
Auf der Jagd nach Antimaterie

Mit einem 1,5 Milliarden Euro teuren Spektrometer suchen Forscher nach Antimaterie und Dunkler Materie im All. Ein Astronaut spricht von dem „größten, teuersten und vielleicht wichtigsten Experiment“ an Bord der ISS.
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Cape CanaveralSeit Donnerstag ist das 1,5 Milliarden Euro teure Alpha-Magnet-Spektrometers AMS-02 an Bord der Internationalen Raumstation ISS installiert. Der unter maßgeblicher Beteiligung deutscher Forscher aus Aachen und Karlsruhe entstandene Teilchendetektor soll der Suche nach Antimaterie und Dunkler Materie dienen.

Der Spektrometer sei wenige Stunden nach der Installation eingeschaltet worden und sammle bereits Daten, erklärte Einsatzleiter und Nobelpreisträger Samuel Ting. Alles scheine nach Plan zu laufen, sagte er. Die Testphase werde jedoch noch einige Tage dauern, erst dann könne mit der offiziellen Datenerfassung begonnen werden.

Das Herz des Instruments ist ein 90 Zentimeter großer Magnet. Die Astronauten hievten das teure Gerät mithilfe von Roboterarmen aus dem Laderaum des Space-Shuttle „Endeavour“ und montierten es am Donnerstag an die ISS, wo es für die restliche Lebensdauer der Raumstation seinen Dienst verrichten soll.

Gleiche Bedeutung wie das Hubbleteleskop

Das Alpha-Magnet-Spektrometer habe dieselbe wissenschaftliche Bedeutung wie das Hubbleteleskop, sagte der Astronaut Gregory Chamitoff vor dem Flug. „Und es wird mit großem Abstand das größte, teuerste und vielleicht wertvollste wissenschaftliche Instrument sein, das wir auf der Raumstation haben.“

Nach Abschluss der Schwerstarbeit in der Schwerelosigkeit richtete Einsatzleiter Ting den Astronauten seinen Dank aus. „Das ist ein sehr schwieriges Experiment gewesen. In den nächsten 20 bis 30 Jahren wird niemand ein derartiges Projekt stemmen können“, sagte er den Astronauten. „Ich hoffe, dass es uns zusammen mit euch gelingt, einen Beitrag zum besseren Verständnis unseres Universums zu leisten.“

Das Experiment sei Teil der Jahrhunderte alten Forschung nach den Bausteinen der Materie - von Elementen über Atome zu subatomaren Teilchen, sagte der Physiker Phil Schewe vo American Institute of Physics. Es sei ein großer Schritt auf dem Weg zur Antwort auf die Frage, warum es Materie gibt und wie sie beschaffen ist. Das Experiment sei etwas Großartiges, besonders dann, wenn etwas gefunden werde.

Auf der Suche nach unbekannten Teilchen

Das Instrument mit einer Masse von sieben Tonnen hatte eine Bauzeit von 17 Jahren. Über 600 Wissenschaftler aus 16 Nationen waren beteiligt. Das Feld seines Magneten soll eintretende geladene kosmische Partikel auf ihrem Weg durch die acht Detektoren ablenken und so die Identifikation ihrer Eigenschaften ermöglichen.

Nasa-Ingenieure gingen im Kontrollzentrum in Houston unterdessen Schäden am Bug der „Endeavour“ nach. Bei dem Start am Montag wurden mehrere Hitzeschildkacheln herausgeschlagen oder beschädigt. Die Risse am Bug sind teilweise 15 Zentimeter lang und fünf Zentimeter breit. Falls nötig, müssen die Astronauten auf Geheiß des Kontrollzentrum am Wochenende mit einem Ausleger weitere Untersuchungen anstellen. Laut Shuttle-Kommandeur Mark Kelly besteht jedoch keine unmittelbare Gefahr. Die „Endeavour“ hat Werkzeug und Ersatzteile zur Reparatur von Schäden am Hitzeschild an Bord.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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