Jahresrückblick Geowissenschaften
Im Schatten des Vulkans

Was macht der Eyjafjallajökull? Wie entwickelte sich das Klima? Was brachte der Marinezensus? Dürren, Fluten, Vulkanausbrüche und Erdbeben - Naturgewalten bestimmten aus Sicht der Geowissenschaften das Jahr 2010. In einem Bereich gab es aber auch Lichtblicke.
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HEIDELBERG. Wohl nur professionelle Vulkanologen, eingefleischte Geoenthusiasten und Islandfreunde kannten bis zum 20. März den Eyjafjallajökull - einen Vulkan unter isländischem Gletschereis. Doch dann erwachte der Feuerberg zum Leben, und sein heftiger Husten beeinträchtigte plötzlich ganz Europa: Die im März und April vorherrschenden Winde aus Nordwest bliesen immer wieder Aschewolken über den Atlantik nach Mittel- und Westeuropa und verursachten dort ein Verkehrschaos. Denn die feine Asche stellte eine Gefahr für die empfindlichen Düsentriebwerke moderner Flugzeuge dar, da sie durch die Hitze der Motoren schmelzen können und sich als Glas auf den Blättern der Rotoren absetzen. Es droht Totalschaden und Absturz der Maschine.

Die starke Eruption des Eyjafjallajökull traf Behörden und Wetterdienste völlig unvorbereitet, denn niemand war darauf eingestellt, dass Asche aus Island nach Europa driften könnte und dort den Flugverkehr lahmlegt. Über Satelliten ließ sich zwar gut verfolgen, welchen Weg die Partikel aus dem Vulkan nehmen und wie stark sie sich ausbreiten. Fehlende Messgeräte erschwerten es den Wissenschaftlern jedoch, die genauen Staubkonzentrationen in der Aschewolke zu ermitteln. Und da niemand wusste, ab welchen Mengen Flugzeuge in Schwierigkeiten geraten könnten, mussten mehrfach alle Maschinen auf dem Boden bleiben.

Mittlerweile ist der Eyjafjallajökull weit gehend zur Ruhe gekommen: Seit dem 9. Juli haben die isländischen Geologen nur noch schwache Aktivität im Krater wahrgenommen, und die schwachen Seufzer der Vulkans interessieren wieder nur die Fachwelt. Immerhin kamen beim Ausbruch des Gletschervulkans keine Menschen körperlich zu Schaden, was man am Merapi auf Java leider nicht behaupten konnte. Auch dieser Vulkan meldete sich 2010 nachdrücklich zurück und spuckte Lava und Asche, was nicht nur den Flugverkehr in Teilen Südostasiens beeinträchtigte, sondern auf Java auch mehr als 200 Tote durch heiße pyroklastische Ströme forderte. Nachdrücklich belegten auch der Tungurahua in Ecuador, der Bromo - ebenfalls auf Java -, der Pacaya in Guatemala oder gleich im Doppelpack Shiveluch und Karymsky auf der Kamtschatka-Halbinsel, wie aktiv es im Erdinnern brodelt.

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