Japanpreis
Der Riesenmagnetwiderstandseffekt

Wo der japanische Kaiser hinkommt, verbeugen sich die Menschen vor ihm. Am Donnerstag, im goldverzierten Nationaltheater von Tokio verbeugte sich umgekehrt der Kaiser feierlich vor einem deutschen Physiker. Peter Grünberg vom Forschungszentrum Jülich erhielt dort den renommierten Japanpreis, der dem Nobelpreis in gewissem Umfang Konkurrenz machen soll.

TOKIO. Grünberg hat vor zwanzig Jahren einen Magneteffekt entdeckt, der nicht nur den iPod von Apple, sondern auch DVD-Rekorder von Panasonic und Vaio-Notebooks von Sony erst möglich gemacht hat. Was der Wissenschaftler im Labor beobachtet hat, nutzten Ingenieure, um Daten viel dichter auf Magnetflächen zu schreiben. Das Endprodukt waren kleinformatige Gigabytefestplatten.

Der Preis zeichnet Grundlagenforschung aus, die wichtige Produkte hervorgebracht hat. Gestiftet hat ihn mit Konosuke Matsushita vom Panasonic-Konzern ein Industriekapitän mit Sinn für nützliche Anwendungen. Der Tenno ehrte gestern nicht nur Grünberg, sondern auch seinen französischen Fachkollegen Albert Fert, der den Magneteffekt zeitgleich entdeckte. Als Preisträger in der Kategorie „Wissenschaft und harmonisches Zusammenleben“ zeichnete der Monarch den britischen Forstwissenschaftler Shaw Ashton für seine Verdienste um den Regenwald aus. Den Japan-Preis gibt es seit 1984. Er ist mit über 300 000 Euro dotiert.

Die auch im Fernsehen gezeigte Preisverleihung an Grünberg hilft vielleicht, die Wahrnehmung Deutschlands als Wissenschaftsnation etwas aufzufrischen. In einer Umfrage fiel mit 39 Prozent den meisten der befragten Japanern zu „Doitsu“ als erstes hohe Technikkompetenz ein, gefolgt von Wirtschaftskraft mit 28 Prozent. Eine starke Forschung und Wissenschaft kam auf 20 Prozent.

Deutschland genießt der Befragung zufolge zwar immer noch ein besonders hohes Ansehen in Japan, droht jedoch in Vergessenheit zu geraten: Es sind vor allem Senioren, die mit Deutschland noch etwas anfangen können. Wer mit Japanern im Pensionsalter unterwegs ist, hört nach dem dritten Bier oft eine fehlerlos gesungene „Loreley“. Japaner unter 40 verbinden aber kaum noch etwas mit Deutschland. In den Antworten auf die Frage nach besonders sympathischen Ländern ist Deutschland schon weit hinter Frankreich und Italien zurückgefallen. Ob die Verleihung eines Preises für die Entdeckung des „Riesenmagnetwiderstandseffekts“ nun gerade den Sympathiewerten aufhilft, ist fraglich. Aber vielleicht hat ja das Lob des deutschen Preisträgers für Japans hoch entwickelte Wissenschaftskultur geholfen.

Die Auszeichnung steht allen Wissenschaftlern offen, aber mit einem Deutschen, einem Franzosen und einem Briten haben die Japaner diesmal ein Trio aus Europa erwischt. Das bessert den Schnitt auf, denn von 60 Preisträgern kamen bisher 28 aus den Vereinigten Staaten und 12 aus Japan, aber nur einer aus Deutschland und vier aus Frankreich.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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