Jeder elfte Lungenkrebstote in Europa durch radioaktives Radon

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Jeder elfte Lungenkrebstote in Europa durch radioaktives Radon

Jeder elfte tödliche Lungenkrebsfall in Europa geht auf das radioaktive Gas Radon aus dem Erdboden zurück. Das hat eine EU-weite Studie ergeben, die das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) am Dienstag in München vorgestellt hat.

dpa MüNCHEN. Jeder elfte tödliche Lungenkrebsfall in Europa geht auf das radioaktive Gas Radon aus dem Erdboden zurück. Das hat eine EU-weite Studie ergeben, die das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) am Dienstag in München vorgestellt hat.

„Radon in der Luft unserer Wohnungen und Gebäude erhöht deutlich das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken oder zu sterben“, sagte BfS-Experte Wolfgang Weiss. Das Amt mahnte einen besseren Schutz vor Radon an, das sich je nach geologischen Gegebenheiten unterschiedlich stark in Gebäuden sammeln kann.

Die Studie habe das Ausmaß der Gefährdung noch deutlicher gemacht, betonte Weiss. „Demnach werden europaweit ungefähr neun Prozent der Lungenkrebs-Todesfälle und zwei Prozent aller Krebs-Todesfälle durch Radon in Aufenthaltsräumen verursacht.“ In Deutschland gingen frühere Schätzungen von jährlich rund 3 000 Lungenkrebs-Todesfällen durch Radon aus.

„Die Wissenschaft hat klare Fakten auf den Tisch gelegt, die Politik muss jetzt reagieren“, sagte der Experte. Die Gefahren seien bisher unterschätzt worden. „Wir sprechen deshalb von einem vergessenen Risiko“, sagte Weiss.

In Deutschland betrage die durchschnittliche Radonbelastung in Innenräumen 50 Becquerel je Kubikmeter Luft, erklärte Weiss. In manchen Gegenden sei sie jedoch, abhängig vom Baugrund, um ein Vielfaches höher. Die neue Studie habe untermauert, dass es keinen Grenzwert für eine ungefährliche Konzentration gebe. Für Nichtraucher steige das Lungenkrebsrisiko linear mit der Radonkonzentration. Beim Zusammenwirken von Rauchen und Radonbelastung addiere sich das Risiko nicht nur, es vervielfache sich.

Obwohl nach einer EU-Empfehlung von 200 Becquerel Radon pro Kubikmeter Luft an Handlungsbedarf bestehe, habe die Politik in Deutschland bisher nicht reagiert. Allerdings plane das Bundesumweltministerium nun einen Entwurf für ein Radonschutzgesetz, in dem als Zielwert eine maximale Konzentration von 100 Becquerel Radon je Kubikmeter Luft angepeilt werde.

Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) sagte, das geplante Radongesetz des Bundes stoße auf breite Ablehnung der unionsregierten Länder. Denn statt eigenverantwortlicher Vorsorge wolle der Bund alle Bauherren zu Messungen und Schutzmaßnahmen zwingen. Weiss entgegnete, eine gesetzliche Regelung sei im Sinne des vorbeugenden Gesundheitsschutzes absolut wünschenswert.

Radon ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Edelgas, das beim radioaktiven Zerfall von Uran und anderen Elementen entsteht. Je nach den geologischen Gegebenheiten kommt es in unterschiedlicher Konzentration praktisch überall vor, auch in Luftporen im Boden. Bei schlechter Abdichtung von Hausfundamenten dringt das Gas leicht in die Gebäude ein. In der Regel sei die Radonkonzentration im Erdgeschoss deshalb höher als in oberen Stockwerken.

Die Kosten für eine ausreichende Abdichtung wurden bei Neubauten mit maximal 2 000 Euro für ein Haus mit 100 Quadratmetern Grundfläche angegeben. „In Neubauten ist ein Radonschutz mit relativ einfachen Mitteln zu erreichen“, betonte Weiss. Bereits ein Beton-Plattenfundament und eine sorgfältige Abdichtung des Gebäudes gegen Bodenfeuchte schütze. Auch mit zusätzlicher Belüftung lasse sich die Konzentration senken.

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