Jeder zehnte Patient muss sich einem zweiten Eingriff unterziehen
Fachärzte warnen vor Laseroperationen am Auge

„Nie wieder Brille“ – mit solchen Slogans werben Augenkliniken um Patienten. Damit vermitteln sie ihnen das Gefühl, die Laserbehandlung eines Auges zur Behebung von Fehlsichtigkeit sei so unkompliziert wie ein Zahnarztbesuch. Doch weit gefehlt: Immer mehr Ärzte warnen vor den Risiken dieses Eingriffs. Laut einer US-Studie muss immerhin jedes zehnte Auge einer zweiten Operation unterzogen werden.

HB DÜSSELDORF. Laseroperationen am Auge sind in den vergangenen 15 Jahren stark in Mode gekommen – etwa 50 000 Patienten entscheiden sich hier zu Lande jährlich für diese Operation, Tendenz steigend. Die gängigste Methode ist das so genannte Lasik-Verfahren, das seit 1993 genutzt wird.

Dabei schneidet der Augenarzt zunächst eine dünne Lamelle der Hornhaut nahezu ab und klappt sie zur Seite. Danach behandelt er das Innere der Hornhaut: Bei Kurzsichtigkeit wird die Hornhaut mit einem Laser abgeflacht, bei Weitsichtigkeit hingegen muss ein neues, stärker gewölbtes Profil gebildet werden, damit der Brennpunkt wieder auf die Netzhaut verlagert wird und ein scharfes Bild entsteht.

Jeder zweite Patient ist später Nachblind

Abschließend klappt der Arzt das Hornhautdeckelchen an seine ursprüngliche Stelle zurück, wo es wieder fest haftet. Derartige Laseroperationen werden meist in eigens gegründeten Zentren oder Kliniken angeboten und kosten im Schnitt 2000 Euro pro Auge.

Was sich harmlos anhört, hat aber seine Tücken. Patienten klagen hinterher über starke Blendungen, Doppelbilder oder Über- und Unterkorrekturen des Auges, die sich nicht immer durch eine weitere Operation beheben lassen. „In zirka 50 % der Fälle werden die Patienten hinterher Probleme mit dem Autofahren bei Nacht haben“, warnt Peter Hering vom Institut für Lasermedizin an der Universität Düsseldorf. „Ich finde es ziemlich unverantwortlich, was da ohne ausreichende Aufklärung gemacht wird.“

Risiko der Patienten vorher schwer zu ermitteln

Das Problem: Nicht immer eignet sich ein Patient für eine Laseroperation am Auge. So gibt es Menschen, deren Hornhaut nach einem Eingriff schlecht verheilt, und es kommt zu Entzündungen oder gar Wucherungen. Doch Augenärzte können diese Risikopatienten oftmals gar nicht vorab identifizieren. In immerhin 7 % der Fälle gebe es sogar „ernste Komplikationen“, sagt Hering.

Problematisch wird es beispielsweise, wenn die Hornhaut durch das Abschleifen zu dünn wird. Dann verformt sich die Hornhaut und es kommt zu gravierenden Sehstörungen. Aus diesem Grund wird heutzutage Kurzsichtigkeit nur noch bis etwa minus zehn Dioptrien gelasert, Weitsichtigkeit bis zirka plus vier Dioptrien. Aber: „In vielen Fällen wird die Dicke der Hornhaut überhaupt nicht ausgemessen, obwohl es hervorragende Methoden wie die optische Kohärenztomographie gibt“, sagt Laserexperte Hering, „und das ist fahrlässig.“ Ebenfalls bedeutsam ist die Größe der Pupille: Ist sie zu groß, erhöht sich das Risiko einer postoperativen Blendung.

Wichtig ist auch das Alter: Der Patient sollte nicht jünger als 20 Jahre sein. Eine Altershöchstgrenze gibt es zwar nicht, dennoch muss ab 40 Jahren der Effekt der Alterssichtigkeit einkalkuliert werden, der eine Kurzsichtigkeit ausgleichen könnte.

„Je besser ein Augenarzt ,nein’ sagen kann, desto geringer ist seine Fehlerquote“, sagt Georg Mehrle, Sprecher des Berufsverbandes der Augenärzte. Doch genau das ist das Problem: Damit sich die teuren Lasergeräte amortisieren, führen einige Augenärzte immer wieder Operationen durch, die jenseits der Toleranzgrenze liegen. „Bei vielen privaten Laserzentren – aber nicht nur bei diesen – habe ich Sorge, dass merkantile Gründe wichtiger sind als medizinische“, sagt Christian Ohrloff, Direktor der Universitätsaugenklinik in Frankfurt/M.

Eine Alternative zu dem Lasik-Verfahren ist die relativ neue Methode „Lasek“: Dabei wird die oberste Schicht der Hornhaut nicht geschnitten, sondern mit einer alkoholhaltigen Lösung abgelöst. Nach dem Eingriff wird die Schicht zurückgestrichen. Der Vorteil: Es entstehen keine Schnittkomplikationen. „An Lasek wird aber bereits Kritik geübt“, sagt Augenarzt Mehrle. Denn jede Hornhaut vertrage nur eine ganz bestimmte, vorab schwer definierbare Alkoholkonzentration.

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