Joggen und Walken Nike

Beim Joggen kommt es auf den richtigen Schuh an, um gesundheitliche Schäden zu vermeiden. Viele Läufer – vor allem über 40-jährige Männer – leiden an Problemen mit der Achillessehne. Ein von Nike gemeinsam mit Tübinger Forschern entwickelter Schuhe soll Schmerzen beim Laufen verhindern.
  • Pia Grund-Ludwig
Nike Schuh 'Air Cesium' im Einsatz.

Nike Schuh 'Air Cesium' im Einsatz.

HB TÜBINGEN. Joggen und Walken haben einen großen Vorteil: Man kann loslaufen, wann immer man Zeit hat – braucht kein Team und keinen Verein. Erfolgserlebnisse stellen sich in der Regel schnell ein. Der Nachteil: Weil der Sport so einfach scheint, starten viele Läufer ohne Anleitung und bezahlen mit Schmerzen. „Falsches Training, zu lange Strecken und zu schnelle Geschwindigkeiten“, sind laut dem Tübinger Sportmediziner und Biomechanikexperte Stefan Grau für einen Teil der gesundheitlichen Probleme verantwortlich.

Herz und Kreislauf sind in der Lage, sich relativ schnell höheren Belastungen anzupassen. Läufer kommen bereits nach einigen Wochen nicht mehr so ins Schnaufen. Muskeln und Sehnen brauchen deutlich länger, um sich auf die höheren Anforderungen einzustellen. Dabei haben sich die Beschwerden im vergangenen Jahrzehnt gewandelt: „Hatten Jogger früher vor allem Knieschmerzen, haben sich die Probleme auf die Achillessehne verlagert“, sagt Grau.

Die Verlagerung der Schmerzen nach unten führt der Forscher auf die Schuhe zurück, die in den 90er Jahren entwickelt worden sind. „Das war das Dämpfungsjahrzehnt. Es wurden vor allem weiche und höhere Laufschuhe entworfen.“ Die Folge waren Achsfehlstellungen bei vielen Läufern: Dadurch, dass der Schwerpunkt durch hohe Schuhe nach oben verlagert wurde, knicken viele Menschen beim Joggen oder Walken stärker nach innen.

„Das kann man auch an getragenen Schuhen sehen. Die Sohlen sind innen deutlich stärker abgelaufen und das Material des Schuhs ist an den Innenseiten nach unten eingedrückt“, sagt Grau. Gemeinsam mit Nike hat der Forscher nun einen Schuh entworfen, der nach innen knickenden Läufern helfen soll.

Der Tübinger Sportmediziner und Biomechanikexperte Stefan Grau hat den Sportschuh 'Air Cesium' mit entwickelt. Foto: Nike

Der Tübinger Sportmediziner und Biomechanikexperte Stefan Grau hat den Sportschuh 'Air Cesium' mit entwickelt. Foto: Nike

Der von Grau konzipierte Schuh ist deutlich flacher als vergleichbare Modelle. „Da es bessere Dämpfungsmaterialien gibt, müssen die Sohlen nicht mehr so dick sein“, sagt Sportmediziner. Durch ein weicheres Sohlensegment im hinteren inneren Bereich soll der Aufprall zusätzlich abgemildert und der Fuß sicher nach unten geführt werden.

Für Halt sorgt zum einen ein sehr stabiler Leisten, der fast wie mit einer Klammer das Fersenbein stabilisiert. Dazu kommt ein Band aus Neopren, dass für den Benutzer nicht sichtbar unter dem Mittelfuß von innen nach außen geführt ist. Beim Schnüren wird das zirka vier Zentimeter breite Band automatisch nach oben gezogen und sorgt für Stütze. Der neue Schuh ist serienreif und bereits unter dem Produktnamen „Air Cesium“ im Handel.

Auch andere Hersteller arbeiten an einer höheren Stabilität für den Fuß. „Wir verringern die Hebel im Fersenbereich“, sagt Christian Mayer, Leiter der Laufschuhentwicklung bei Puma. Wettbewerber Asics dagegen versucht mit seinem Laufschuh, die Abrollbewegung des Fußes möglichst gut zu unterstützen. Das gelingt mit Sohlen aus neue Materialien. „Wir verwenden einen speziellen Kunststoffschaum, der mit Gummimolekülen versetzt ist “, erläutert Ralf Schön, Marketing Manager bei Asics. „Damit verhindern wir, dass die Sohle abklappt wie ein Brett.“ Sie passe sich nun flexibel dem Fuß an.

Wichtig sei vor allem, dass die Schuhe zu den Anforderungen und zum Laufprofil passen, sagt Schön. Deshalb gebe es Produktlinien für unterschiedliche Läufertypen – vom schwergewichtigen Ab- und-zu-Jogger bis zum durchtrainierten Leichtfuß. Auch Grau warnt davor, seinen Schuh als Allheilmittel zu betrachten. Wichtig sei, dass er gut passt. Und dass auch wirklich Läufer ihn tragen, die nach innen abknicken. „Hier kann die Analyse auf dem Laufband oder manchmal auch das Anschauen der bisher getragenen Schuhe helfen“, sagt Grau.

Das ist auch aus der Sicht von Christian Harig, Leiter des Biomechaniklabors bei Puma, der springende Punkt: „Es gibt sicher Menschen, für die stark gestützte Schuhe sinnvoll sind.“ Diese Kunden zu erkennen, sei für die Berater in den Geschäften schwierig. Daher könne das Konzept, einen Schuh für ein spezielles Problem anzubieten, in manchen Fällen mehr schaden als nützen.

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