Kampf gegen Aids
Neue Wirkstoffe stoppen HIV-Erreger

Eine der besonderen Heimtücken der Krankheit Aids ist die Tatsache, dass sich der Erreger HIV zunehmend anpassungfähig zeigt und somit immer wieder Resistenzen gegen bekannte Medikamente entwickelt. Pharmahersteller haben jedoch nun eine Methode entwickelt, auch diesen Viren das Leben schwer zu machen ? eine Entwicklung, die Hoffnung gibt.

BERLIN. Die enorme Wandlungsfähigkeit des HIV-Erregers erschwert die Behandlung von infizierten Menschen. Bei über zehn Prozent der neuen Erkrankungen ist das Virus laut Robert-Koch-Institut inzwischen gegen einen oder mehrere Wirkstoffe resistent. Vor allem Substanzen, die schon länger im Einsatz sind, büßen zunehmend ihre Wirksamkeit ein. Nun halten Medikamente Einzug in die klinische Praxis, die das Virus über völlig neue Wirkmechanismen angreifen ? eine Therapiealternative für Patienten, bei denen die klassische Behandlung versagt.

Bereits in den USA und in der Europäischen Union zugelassen ist Maraviroc von Pfizer. Der Wirkstoff versperrt dem HIV-Erreger den Zugang zu den weißen Blutkörperchen, indem er den sogenannten CCR5-Rezeptor blockiert, den das Virus als Eintrittspforte nutzt. Von seinen Wirtszellen abgeschnitten, kann sich der ausgesperrte Erreger nicht vermehren. Eine Behandlung mit dem teuren Medikament haben die Zulassungsbehörden allerdings an die Bedingung geknüpft, dass der Patient nicht mehr ausreichend auf die klassische Therapie anspricht.

Diese Auflage gilt auch für den zweiten Wirkstoff, Raltegravir von MSD. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Integrase-Hemmer. Dieser hindert das Virus daran, sein Erbgut mit Hilfe des Proteins Integrase in das Genom der Wirtszelle einzubauen ? ein Trick, den Retroviren wie HIV anwenden, um auf Kosten der Zelle tausendfach Kopien von sich selbst zu erstellen. In den USA ist das Medikament schon zugelassen, die europäische Arzneimittelbehörde Emea dürfte in wenigen Monaten ebenfalls grünes Licht für den Wirkstoff geben.

Mediziner freuen sich über die zusätzlichen Behandlungsoptionen. "Die neuen Wirkstoffe werden bislang exzellent vertragen und zeigen bei den vorbehandelten Patienten eine gute Wirksamkeit", sagt Christian Hoffmann vom Infektionsmedizinischen Centrum Hamburg. Die Wirkstoffe werden in Kombination mit herkömmlichen HIV-Medikamenten verabreicht.

Maraviroc und Raltegravir sind jeweils die Prototypen neuer Wirkstoffklassen in der HIV-Therapie. Einige Folgesubstanzen sind schon in Entwicklung. Am weitesten sind dabei Schering Plough und Gilead, die Substanzen in der fortgeschrittenen klinischen Prüfung haben.

Marktanalysten bewerten den Einzug der neuen Wirkstoffe geradezu euphorisch. Allein für Maraviroc sehen sie bis 2011 Umsatzchancen von mehreren hundert Millionen Euro. Insgesamt wird das Marktvolumen für innovative HIV-Medikamente auf mehrere Milliarden Euro geschätzt. Um daran wirklich teilzuhaben, müssen die Hersteller ihre neuen Medikamente jedoch erfolgreich in der Ersttherapie zur Behandlung Neuinfizierter platzieren. Nur so können sie große Patientengruppen erreichen.

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