Kampf gegen Aids
. . ohne dass er’s mitbekommt

Afrikas Männer sind für die rasante Ausbreitung des HI-Virus auf dem schwarzen Kontinent mitverantwortlich. Die Forschung sucht jetzt nach einer Alternative zu Kondomen, da sich ihr Gebrauch in den stark patriarchalisch geprägten Gesellschaften kaum durchsetzen lässt.

KAPSTADT. Über Sex wird dieser Tage auf einem neuen Niveau diskutiert. Niemand zuckt mehr zusammen, wenn, wie jetzt auf der 16. Internationalen Aids-Konferenz in Toronto, eine überdimensionale Vagina auf der Leinwand erscheint.

Die neue Offenheit hat einen Grund: Im Kampf gegen Aids setzt die Forschung heute große Hoffnung auf so genannte Mikrobizide. Dabei handelt es sich um chemische Verhütungsmittel und Virenkiller, die Frauen als Salbe, Gel oder Zäpfchen vor dem Sex in die Vagina einführen und sie vor der Ansteckung mit dem HI-Virus schützen - als Alternative zum Kondom. Damit der Partner davon möglichst nichts bemerkt, müssen diese Anti-Aids-Gels zudem unsichtbar und geruchlos sein.

Obwohl Forscher seit Jahren nach einem Impfstoff gegen die tödliche Immunschwächekrankheit suchen, gibt es bislang nur zwei sichere Methoden gegen eine Infektion mit dem HI-Virus, der Aids verursacht: Enthaltsamkeit oder die Verwendung eines Kondoms. Beide Methoden sind jedoch im besonders hart von der Aids-Epidemie betroffenen Afrika kaum anwendbar. Wenige Frauen wagen es in den stark patriarchalisch geprägten Gesellschaften, ihren Partner um den Gebrauch eines Kondoms zu bitten, selbst wenn dieser HIV-positiv ist, wie Unaids schreibt, die Anti-Aids-Initiative der Vereinten Nationen.

Rund 25 Millionen der weltweit fast 40 Millionen HIV-positiven Menschen leben in den 48 Ländern südlich der Sahara. Dennoch sind hier auch 25 Jahre nach der Entdeckung des Virus Enthaltsamkeit und Treue vielerorts undenkbar, weil das dem traditionellen Männlichkeitsbild widerspricht. Babatunde Osotimehin, Leiter des Aids-Komitees in Nigeria, bringt es auf den Punkt: "Mädchen und Frauen können bei uns typischerweise nicht mitreden, wann, wo oder mit wem sie Sex haben." Und Afrikanerinnen können natürlich auch nicht durchsetzen, dass ihr Partner ein Kondom benutzt. Lori Heise von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt zu bedenken, dass es in Afrika weithin akzeptiert ist, wenn Männer ihre Frauen bei Ungehorsam schlagen. In Äthiopien war die Akzeptanz mit fast 80 Prozent besonders hoch, in Tansania mit 50 Prozent etwas geringer.

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