Kap Hoorn Eisiger Mythos am Ende der Welt

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Unzählige Dramen
Denkmal für ertrunkene Seeleute auf der Isla de Hornos - der Insel, deren Südspitze Kap Hoorn bildet. Quelle: dpa
Denkmal am Kap Hoorn

Denkmal für ertrunkene Seeleute auf der Isla de Hornos - der Insel, deren Südspitze Kap Hoorn bildet.

(Foto: dpa)

Kap Hoorn ist verbunden mit unzähligen Dramen. Die bisher längste Umrundung dauerte 98 Tage, sechs Tage die schnellste. Viele Großsegler aber scheiterten. 800 Schiffe sollen gesunken sein, über 10.000 Seeleute ihr Leben verloren haben. An das weltweit größte Seemannsgrab erinnert heute ein Denkmal auf der Felseninsel.

Schon wegen der Witterungsbedingungen wurde das Kap gemieden. Erst nach der Entdeckung von Gold in Kalifornien um 1848 wurde die Fahrt um Kap Hoorn zu einer der verkehrsreichsten Routen der Weltmeere. Weizen aus Australien etwa oder Salpeter aus Chile wurden über diese Route nach Europa transportiert.

Seit Eröffnung des Panamakanals 1914 wählen den gefährlichen Weg nur noch die größten Schiffe, die nicht durch den Kanal passen. Wenn die Erweiterung des Kanals in diesem Jahr abgeschlossen ist, werden es wohl noch weniger Frachter sein, die Kap Hoorn umrunden.

Und dann gibt es da noch das Jahrhundertprojekt einer über 3500 Kilometer langen Eisenbahnlinie quer durch Südamerika, vom brasilianischen Santos am Atlantik bis zum peruanischen Pazifikhafen Ilo. China will das Zehn-Milliarden-Dollar-Projekt finanziell unterstützen. Sollte es Realität werden, verlöre Kap Hoorn wohl endgültig an Bedeutung.

Doch der Mythos bleibt – und die Herausforderung für Abenteurer. Viele umrunden das Kap nicht mehr nonstop von 50 Grad Süd auf der einen Seite Südamerikas bis zur anderen. Die modernen Abenteurer suchen gerade den Kontakt mit dem schroffen Felsen. So auch der Flensburger Thies Matzen (59) und die Schwedin Kicki Ericson (51). Die beiden Weltumsegler leben seit 30 Jahren auf ihrem Holzboot „Wanderer III“.

„Wir sind in unserem neun Meter langen Segelboot um Kap Hoorn herumgehüpft, von einem Ankerplatz nordwestlich vom Kap zu einem Ankerplatz nordöstlich von ihm“, beschreibt Matzen eine dieser Fahrten. „All, die vor uns kamen, suchten Seeraum, wir Sichtkontakt. Ihnen war Kap Hoorn Bedrohung, uns Mythos.“

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  • dpa
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