Kaufhäuser
Soziologie des Shoppings

Weihnachtszeit ist Shopping-Time, am besten natürlich bei einem Kurztrip nach New York, London oder Paris. Kollektiv verfällt der Mensch der Kauflust, dem Rausch nach Schönem und Luxuriösem. In diesem Jahr fällt die Lust am Konsum noch leichter.

BERLIN. Nach langen Jahren des Dornröschenschlafes strahlt die Kaufhauskultur wieder. Es sieht aus, als seien die repräsentativen Konsumtempel der Jahrhundertwende wieder auferstanden. Die Zeit der langweiligen Kistenarchitektur ist offenbar vorbei.

Ob Renzo Pianos gläsernes Raumschiff für Peek & Cloppenburg in Köln, der grandiose Aluminiumdampfer Selfridges in Birmingham oder die Flagship-Stores von Prada in Tokio und Issey Miyake in New York, überall auf der Welt erhalten die Warenhäuser eine glänzende Fassade. Stararchitekten wie Rem Koolhaas, Frank O. Gehry und Herzog & de Meuron werden angeheuert, um neue Tempel für die exklusiven Modemarken zu bauen. Innenräume sehen aus wie Museen. Der Gegensatz von Kunst und Kommerz scheint aufgehoben, Waren werden als Kunstobjekte präsentiert. Und die Architekten bauen Museen und Konzerthäuser mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie Kaufhäuser oder Shopping-Malls.

Experten haben schon Auswirkungen auf die Kunden registriert: Seit Kurztrips mit dem erklärten Ziel des Shoppens immer selbstverständlicher werden, nehmen die Menschen auch die eigene Stadt wieder stärker als Erlebnisraum wahr. Konsumforscher Eike Wenzel vom Zukunftsinstitut in Kelkheim bei Frankfurt stellt fest: "Die Konsumenten sehen mit Freude, dass die Grenze zwischen Konsum und Kultur durch interessante Strategien aufgebrochen wird."

Eine dieser Strategien ist die Architektur. Die unverwechselbare Fassade wird zum Marketinginstrument: Die Kaufhäuser brauchen eine Identität, damit sie wieder zum urbanen Treffpunkt oder gar zur Sehenswürdigkeit werden - und erneut eine entscheidende Rolle auf dem Shopping-Parcours spielen können.

Kaufhäuser, nicht kleine Läden, waren immer schon Flaggschiffe des modernen Konsums. Heike Delitz, Architektursoziologin vom Institut für Soziologie an der TU Dresden, hat erforscht, wie sehr die Kaufhäuser die Entwicklung der Konsumgesellschaft bestimmt haben: "Sie waren die Keimzellen des Konsums." Ihre Architektur lässt den Passanten erst zum Betrachter und später zum Konsumenten werden. Neue Einkaufsmöglichkeiten wie Shopping-Malls leiteten dann die Entwicklung zum Erlebniskonsumenten ein.

Seite 1:

Soziologie des Shoppings

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%