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Kein deutlicher Zusammenhang von Morbus Crohn und Rinderseuche

Nach Expertenangaben gibt es keine Beweise für eine neue Rinderseuche in Deutschland. Ein Zusammenhang zwischen der Rinderseuche Paratuberkulose und der Darmentzündung Morbus Crohn beim Menschen sei nicht nachgewiesen, sagte Prof.

dpa RIEMS. Nach Expertenangaben gibt es keine Beweise für eine neue Rinderseuche in Deutschland. Ein Zusammenhang zwischen der Rinderseuche Paratuberkulose und der Darmentzündung Morbus Crohn beim Menschen sei nicht nachgewiesen, sagte Prof. Thomas Mettenleiter vom Friedrich-Loeffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) auf der Ostsee-Insel Riems in einem dpa-Gespräch.

„Schweden ist seit Jahrzehnten frei von Paratuberkulose und hat etwa die gleiche Morbus-Crohn-Rate wie Deutschland.“ Auch Angestellte in Rinderbetrieben, der Milchwirtschaft und auf Schlachthöfen hätten keine erhöhte Morbus-Crohn-Rate.

Nach Medienangaben vom Sonntag hat der Gießener Professor Hans- Ulrich Klör auf MAP-Bakterien im Blut und Muttermilch von Morbus- Crohn-Betroffenen hingewiesen. Einen Zusammenhang zwischen Paratuberkulose und Morbus Crohn diskutierte das Fachblatt „British Medical Journal“ bereits im Jahr 1913, weil ein Forscher eine Ähnlichkeit zwischen der Paratuberkulose und einer chronisch entzündlichen Erkrankung des Darmes beim Menschen beschrieb. Sie haben dieselben Symptome wie etwa chronischen Durchfall und Schäden im Darm. In den 1980er Jahren hatten Forscher das Paratuberkulose- Bakterium (MAP) sogar in wenigen Proben pasteurisierter Milch nachgewiesen.

Eine weitere Studie über Paratuberkulose und Morbus Crohn im Jahr 2004 im britischen Magazin „The Lancet“ (Bd. 364, S. 1 039) habe zu wenig Teilnehmer gehabt, sagte Mettenleiter. US-Forscher hatten damals in 13 von 28 untersuchten Morbus-Crohn-Patienten Erreger der Paratuberkulose nachgewiesen. In Deutschland leiden an Morbus Crohn rund 160 000 Menschen.

Bereits im Oktober 2001 hatte das damalige Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin festgestellt, dass eine Verursachung von Morbus Crohn durch Paratuberkulose-Erreger „wenig wahrscheinlich“ erscheine. Eine Beteiligung der Bakterien am Krankheitsbild Morbus Crohn sei aber nicht auszuschließen. Es gebe Hinweise, dass Paratuberkulose bei einigen der Patienten an der Darmkrankheit beteiligt sein könnte.

Eine exakte Zahl der MAP-infizierten Tieren gebe es für Deutschland nicht. „Pro Jahr werden in Deutschland rund 300 erkrankte Tiere gemeldet“, sagte Mettenleiter. Die Infektionsrate liege sicher weit höher. 30 Prozent der Rinder - wie einige Medien berichteten - seien es aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht. Die eingesetzte Testverfahren sprächen auch auf mehrere andere Erreger an. An einem Test für MAP-Bakterien arbeite auch das Friedrich-Loeffler-Institut seit Jahren. Es sei aber schwierig, ein Verfahren zu entwickeln, das nur MAP-Bakterien und keine anderen verwandten, ungefährlichen Erreger nachweise.

Auch mehrere Studien einer Arbeitsgruppe in Bayern haben bisher keine unmittelbaren Zusammenhang zwischen Morbus Crohn und Paratuberkulose erbracht. „Eine Übertragung von Tier auf Mensch ist eher unwahrscheinlich“, fasste der Sprecher des bayerischen Verbraucherschutzministeriums, Roland Eichhorn, am Montag die Ergebnisse zusammen. Die Untersuchungen über die Verbreitung des Erregers im Freistaat sollen am 18. März abgeschlossen werden.

Schlachtrinder werden laut Eichhorn normalerweise nicht auf den Erreger hin geprüft. Die Diagnose sei aufwendig. Untersucht werden nur Tiere, bei denen auf Grund von Symptomen ein Verdacht auf die Krankheit besteht. Diese kommen dann nicht mehr auf den Markt.

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