Keine reine Geschmacksache
Kannibalismus lohnt sich nicht

Ein vollständig verzehrter Mensch liefert knapp 150.000 Kalorien. Eine 25-köpfige Neandertaler-Gruppe sättigt das nicht mal einen Tag lang. Von einem Mammut hingegen zehrt sie etwa einen Monat.
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BrightonDer Nährwert eines Menschen ist vergleichsweise gering. Tiere wie Mammuts, Wollnashörner oder Hirsche lieferten weit mehr Kalorien als ein kannibalistisch verspeister Artgenosse, berichtet der Archäologe James Cole von der University of Brighton (Großbritannien) im Fachjournal „Scientific Reports“.

Er hat den Nährwert einzelner menschlicher Körperteile errechnet, um den Gründen für den Kannibalismus unter Urmenschen und Menschen in der Altsteinzeit auf die Spur zu kommen. Die Analyse belege, dass bloße Ernährung damals wohl nicht die entscheidende Motivation für Kannibalismus war.

Hinweise auf Kannibalismus finden sich an einigen altsteinzeitlichen Fundstätten von verschiedenen Menschenarten wie dem Neandertaler oder dem modernen Menschen (Homo sapiens). Zu den Gründen gibt es unterschiedliche Meinungen.

Einige Experten nehmen an, die Artgenossen seien gegessen worden, um Hunger zu stillen. Starb ein Mensch, stellte er schließlich eine leicht verfügbare Nahrungsquelle dar. Andere nehmen an, dass eher rituelle oder symbolische Gründe eine Rolle spielten.

Cole ging die Frage faktenorientiert an: Er analysierte bekannte Angaben zur chemischen Zusammensetzung aller Körperteile von vier erwachsenen, modernen Menschen. Insgesamt liefere ein vollständig verzehrter Mensch knapp 150 000 Kalorien. Eine 25-köpfige Neandertaler-Gruppe habe das nicht mal einen Tag lang gesättigt - von einem erlegten Mammut hingegen habe sie etwa 35 Tage zehren können.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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