Kernbrennstäbe
Forscher entschärfen Atommüll

Der Atomausstieg in Deutschland bleibt fraglich. International erleben Reaktoren gar eine Renaissance. Und doch ist das zentrale Problem ungelöst: Wohin mit dem Atommüll, der länger strahlt als es sich ein Mensch vorstellen kann. Allein in Europa fallen jährlich etwa 450 Tonnen abgebrannte Kernbrennstäbe an. Wissenschaftler versuchen daher, das radioaktive Material in weniger gefährliche Stoffe umzuwandeln.

clo DÜSSELDORF. Wie eine so genannte „Transmutation“ ablaufen könnte, zeigt das Forschungszentrum Karlsruhe. Zusammen mit 50 europäischen Partnern aus Industrie und Forschung wird ein Verfahren entwickelt, das nukleare Reste durch Neutronenbeschuss in kaum strahlendes Material verwandelt. Dazu schießt ein Teilchenbeschleuniger Protonen auf geschmolzenes Blei. Dabei werden Neutronen erzeugt, die auf den Atommüll gelenkt werden. Jetzt geschieht das entscheidende: Langlebige Isotope von Plutonium etwa werden so nochmals aufgespaltet, wobei stabile oder kurzlebige Elemente entstehen.

„Zwar bleiben auch hier radioaktive Reste, doch diese haben keine Halbwertszeiten von Jahrtausenden, sondern von 200 bis 300 Jahren“, erklärt Thomas Schulenberg, Leiter des Instituts für Kern- und Energietechnik im Forschungszentrum Karlsruhe. „Das ist aber ein überschaubarer Zeitraum, wenn man bedenkt, dass eine herkömmliche Hausmülldeponie auch so lange überwacht werden muss.“

Nebeneffekt: Beim Zerschießen des Atommülls wird wiederum Energie frei, die sich nutzen ließe. Zudem sei das Verfahren sicher, so Schulenberg, da es zu keiner gefährlichen Kettenreaktionen kommen kann. Allerdings sind noch handfeste technische Probleme zu lösen: Zum einen ist unklar, wie die verschiedenen Isotope der Brennstäbe voneinander getrennt werden können und zum anderen wie das Blei dauerhaft flüssig gehalten werden kann, ohne dass es verdampft. Das Prinzip wurde mit Erfolg an der Genfer Großforschungseinrichtung Cern der Europäischen Organisation für Kernforschung erprobt. Nun kommt es darauf an, eine Testanlage zu entwickeln.

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