Kernenergie
Letzte Ruhestätte für strahlende Altlasten

Für eine Million Jahre soll radioaktiver Müll im Erdboden eingeschlossen werden. Doch Fragen über dessen sichere Lagerung erhitzen die Gemüter: Es herrscht ein diffuses Bild über die Tatsachen der nuklearen Endlagerung in Deutschland. Die Frage der wissenschaftlich-technischen Machbarkeit rückt dabei zu oft in den Hintergrund.
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HEIDELBERG. Die Suche nach einem Endlager für den nuklearen Abfall hat hierzulande längst die Expertengremien verlassen. Eine Lösung des Problems dringend nötig: Bis zum Laufzeitende aller deutschen Kernkraftwerke entsteht eine Abfallmenge von 17 000 Tonnen radioaktiver Schwermetalle in Form von abgebrannten Brennelementen und 280 000 Kubikmeter mit schwach- bis mittelradioaktivem Müll - ein Volumen, das rund 100 Olympiaschwimmbecken entspricht.

Erst in diesem Jahr hatte die Europäische Union beschlossen, den nuklearen Abfall jeweils im Land, in dem er angefallen ist, unter die Erde zu bringen - und zwar sicher für die nächsten eine Million Jahre. Als Richtwert dient das in der Natur nur extrem selten vorkommende, hochgiftige Plutonium mit ebendieser langen Halbwertszeit.

Immerhin: Deutschlands schwach- bis mittelradioaktiver Abfall findet ab 2013 seine - vielleicht vorerst - letzte Ruhe im Schacht Konrad, einem stillgelegten Erzbergwerk in Salzgitter. Und ein Blick ins Ausland offenbart mögliche Ansätze für den hochradioaktiven Rest: In Schweden soll der strahlende Müll in Granitformationen unter die Erde gebracht werden, die Schweiz bevorzugt hierfür Tonsteine.

Da bisherige Einlagerungsversuche wie jene im Forschungslager Asse in der Bundesrepublik jedoch fehlschlugen, hält sich in der deutschen Bevölkerung bislang eine große Skepsis. Kann es daher für die hiesige unendliche Geschichte der Endlagerung eine realistische Lösung geben?

"Die Diskussionen über eine sicherer Endlagerung in Deutschland sind von der Realität abgekoppelt. Deshalb werbe ich für eine differenzierte sachliche Darstellung", betont Dirk Bosbach vom Forschungszentrum Jülich. "Die Asse sieht aus wie ein Schweizer Käse. So etwas würde man für ein nukleares Endlager natürlich nicht haben wollen", führt er aus. Der Mineraloge beschäftigt sich an seinem Lehrstuhl mit Sicherheitsforschung sowie Reaktortechnik und weiß um das Kernproblem, das sich bei der Asse stellt: Eindringendes Grundwasser schwemmt Salz aus dem ehemaligen Bergwerk und gefährdet die Stabilität der Kammern mit den bereits eingelagerten schwach- und mittelradioaktiven Fässern.

"Momentan kann die Situation noch kontrolliert werden", so Bosbach. Die Wassermassen werden stetig abgepumpt, ungewiss bleibt jedoch, wie lange die Menge an Wasser konstant und damit beherrschbar bleibt. Nun wird über eine komplizierte Rückholung des eingebrachten nuklearen Abfalls nachgedacht.

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