Klangenthusiast Udo Borgmann
Der Herr der klaren Töne

Kirchenmusik, die nicht im Hall verschwindet, Bahnhofsansagen, die man wirklich versteht: Udo Borgmanns Ideen funken und funktionieren. Einer seiner Clous: Pan Surround - ein mehrkanaliges Audiosystem für Autos. Dabei wird der Dachhimmel als zusätzlicher Lautsprecher genutzt, was jedem Fahrgast das Gefühl gibt, in einem Konzertsaal zu sitzen.

Frühjahr 2004 in einem Wolfsburger Industriegebiet. Udo Borgmann schaut gedankenverloren über den Hof vor seinem Büro. Seit zwei Jahren schon entwickelt er hier mit zwei Mitarbeitern High-End-Audiotechnik, digital und drahtlos. An sich keine schlechte Sache. Momentan aber ist Elektroingenieur Borgmann etwas kribbelig, denn ein Wiener Hotel schuldet ihm noch rund 48 000 Euro. Geld, das er sich mit der Installation eines Unterwasser-Audiosystems für Badewannen verdient hat. Eine Menge Geld für einen Gründer. Borgmann schaut und grübelt.

Als vor seinen Augen ein Kfz-Mechaniker einen losen Autohimmel vorbeiträgt, schießt es Borgmann durch den Kopf: Was in Badewannen geht, muss auch im Autodach funktionieren. Diesen Moment erinnert der Tüftler als Geburtssekunde von Pan Surround - eines mehrkanaligen Audiosystems für Autos. Dabei wird der Dachhimmel quasi als zusätzlicher Lautsprecher zum Schwingen gebracht. Weil sich das nahe am Ohr abspielt, reicht geringe Lautstärke, um jedem Fahrgast ein Gefühl zu geben, als sitze er im Konzertsaal, erzählt Borgmann mit leuchtenden Augen.

Der umtriebige 46-Jährige hat das Lachen nicht verlernt - vielleicht typisch für einen geborenen Rheinländer. Pointenreich erzählt er aus einem Leben voller Aufs und Abs. Borgmann wirkt darin wie ein klassisches Stehaufmännchen: "Meine Kindheit war nicht die schönste Zeit", bekennt er. Zum Teil wuchs er in Pflege auf. Seine Rettungsanker waren Elektronikbasteleien und sein Klavier, "jahrelang mein einziger Freund". Der schwere Start ins Leben prägt: Auf Werte wie Verlässlichkeit und Authentizität legt er größten Wert, in seiner Familie ebenso wie im Beruf.

Mit 21 Jahren selbst zweifacher Vater, ernährt Udo Borgmann seine Familie schon während der Ausbildung. Mit Klavierstunden und Jobs auf dem Bau oder am Hochofen finanziert er auch ein kurzes Jura- und schließlich sein abgeschlossenes Elektronik-Studium in Osnabrück.

Bei seinem ersten Projekt als Berufseinsteiger bei einer Bosch-Tochter lernt er Wertarbeit schätzen: Er half, den Hauptschaltraum eines Radiosenders in Kairo von mono auf stereo umzurüsten. "Das alte Studio war 25 Jahre pausenlos im Betrieb dank einer unglaublich soliden Verarbeitung", sagt er. Die hatte er schnell als Ideal verinnerlicht - zugleich eine Weichenstellung, wie sich zeigen würde.

Borgmann machte schnell Karriere, wurde Projektleiter und Entwickler von drahtloser Telefontechnik. Sein Erfindungsreichtum wurde geschätzt, aber mit seinem hohen Qualitätsanspruch eckte er bald an: "Nach ein, zwei Jahren muss schon das Display ausfallen oder der Akku kaputt sein, besonders wenn man in der Produktion zehn Pfennig für einen Transistor sparen kann", sagt er heute mit bitterer Ironie.

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