Klaus von Klitzing im Gespräch
„Nanotechnik birgt keine neuen Risiken“

Im Interview mit dem Handelsblatt rät Physik-Nobelpreisträger Klaus von Klitzing der deutschen Forschung zu mehr Flexibilität. Das Gespräch führten Thomas Hanke und Hans Schürmann:

Herr von Klitzing, was fasziniert die Wissenschaftler so sehr an der Nanowelt?

Die Nanotechnik ist so interessant geworden, weil mit Hilfe des Rastertunnelmikroskops mit relativ geringem Aufwand eine ganz neue fundamentale Forschung betrieben werden kann. Man kann die einzelnen Atome sehen, manipulieren und neue Dinge konstruieren. Alles besteht aus Atomen. Wir haben nur hundert Elemente – zehn Prozent davon machen in unterschiedlicher Zusammensetzung 99 Prozent unserer Umgebung aus. Das lässt erahnen, was alles machbar sein wird, wenn man kontrolliert mit den Atomen arbeiten kann.

Haben Sie ein Beispiel?

In meinem Forschungsgebiet – wir züchten Kristalle, die nicht in der Natur vorkommen – heißt das, wir versuchen atomare Schichten mit neuen physikalischen Funktionen zu generieren. Wenn Sie heute einen Halbleiterlaser haben, mit dem Sie Daten aus atomaren Schichten auslesen können, dann ist das ein Produkt, das durch eine solche Nanotechnikanwendung möglich wurde. Vielleicht gelingt es eines Tages sogar, künstliche Supraleiter herzustellen.

Was ist das Neue an Ihrer Arbeit?

Mit den neuen optischen Geräten spielt man wie ganz selbstverständlich mit den Atomen. Man hat den Eindruck, man kann die Atome quasi fühlen. Viele Zusammenhänge, die man makroskopisch nicht mehr verstehen konnte, die ganze Materialwissenschaft, kann man jetzt auf atomarer Ebene ganz fundamental erforschen – und ganz neue Möglichkeiten entdecken. Das ist eigentlich das Neue.

Wachsen die Disziplinen künftig enger zusammen?

Auf der Nanoebene verwischen die Grenzen, dort kann man die Arbeit eines Physikers und Chemikers nicht mehr voneinander trennen. Beide betrachten kleinste Teilchen, die Atome – wenn auch mit unterschiedlichem Interesse. Was ist ein Nanoröhrchen? Der Nobelpreis zu dem Thema ist an die Chemie gegangen, der Kohlenstoffkristall kann aber auch mich als Physiker begeistern.

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